Bündnis fordert besseren Schutz ehemaliger Kindersoldaten

Bündnis fordert besseren Schutz ehemaliger Kindersoldaten
Am 12. Februar wird der "Red Hand Day" als Zeichen gegen den Einsatz von Kindern als Soldaten begangen. Im vergangenen Jahr gab es mehr als 7.400 dokumentierte Rekrutierungen von Jungen und Mädchen.
11.02.2026
epd
Von Jonas Grimm (epd)

Berlin (epd). Das Deutsche Bündnis Kindersoldaten fordert von der Bundesregierung einen besseren Schutz von aus Kriegsgebieten geflohenen Kindern und deren Familien. Selbst ehemalige Kindersoldatinnen und -soldaten, die schwerst traumatisiert sind, seien von Abschiebung bedroht, sagte der Sprecher des Bündnisses, Ralf Willinger, am Mittwoch in Berlin. Im vergangenen Jahr gab es nach Angaben der Vereinten Nationen 7.402 dokumentierte Fälle von Rekrutierung von Kindersoldaten.

In mehr als 20 Ländern weltweit würden Kinder und Jugendliche in Kriegen und bewaffneten Konflikten getötet, sexuell missbraucht und als Soldatinnen und Soldaten rekrutiert, hieß es weiter. Die meisten von den Vereinten Nationen dokumentierten Rekrutierungen fanden demnach in der Demokratischen Republik Kongo, Nigeria und Somalia statt. Viele Kinder und deren Familien würden in Nachbarländer fliehen, einige auch bis nach Deutschland.

18 Prozent mehr schwere Kinderrechtsverletzungen

Zudem erreichten schwere Kinderrechtsverletzungen, zu denen Tötungen, Verstümmelungen, Entführungen, sexuelle Gewalt, Angriffe auf Krankenhäuser und Schulen sowie die Verwehrung humanitärer Hilfe zählen, mit mehr als 36.000 Fällen einen neuen Höchststand. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl um 18 Prozent an, wie das Bündnis mit Verweis auf UN-Zahlen weiter mitteilte.

Die Betroffenen waren demnach in zwei Dritteln der Fälle Jungen. Mädchen seien jedoch häufiger sexueller Gewalt ausgesetzt. Die meisten erfassten Fälle der sechs schweren Kinderrechtsverletzungen habe es in Israel und den besetzten palästinensischen Gebieten gegeben, gefolgt von der Demokratischen Republik Kongo. Prozentual am stärksten seien die Zahlen gegenüber dem Vorjahr im Libanon, Mosambik und in Haiti gestiegen.

Die für Kinder tödlichsten Kriegsgebiete sind den Angaben zufolge Israel und die besetzten palästinensischen Gebiete, der Sudan, Myanmar und Burkina Faso. Wegen sinkender Mittel fehle humanitäre Hilfe an vielen Orten, hieß es.

Unicef benötigt mehr als sieben Milliarden US-Dollar

Bündnissprecher Frank Mischo appellierte an die Bundesregierung, die Mittel für humanitäre Hilfe wieder anzuheben. Diese seien trotz steigenden Bedarfs erheblich gekürzt worden. Im Bundeshaushalt 2024 standen für die humanitäre Hilfe im Ausland, etwa in Kriegen oder nach Katastrophen, noch rund 2,23 Milliarden Euro zur Verfügung. 2025 wurde das Budget demnach um mehr als die Hälfte auf rund 1,05 Milliarden Euro gekürzt, für 2026 stagniert es auf diesem Wert.

Allein das UN-Kinderhilfswerk Unicef benötigt 2026 nach eigenen Angaben 7,66 Milliarden US-Dollar für humanitäre Hilfe. Mit dem Geld aus seinem aktuellen Nothilfeaufruf „Humanitarian Action for Children 2026“ soll 73 Millionen Kindern in 133 Krisen- und Konfliktgebieten geholfen werden.

Am 12. Februar 2002 trat ein Zusatzprotokoll der Kinderrechtskonvention zu Kindern in bewaffneten Konflikten in Kraft. Es verbietet den Einsatz von unter 18-Jährigen in bewaffneten Konflikten. Zum „Red Hand Day“ am 12. Februar werden Hände mit roter Farbe bemalt und etwa auf Blätter oder Plakate gedrückt. Hunderttausende roter Handabdrücke wurden seitdem in mehr als 50 Ländern gesammelt und an Politiker und Verantwortliche übergeben.