Experte: Darfur besonders schwierige Region für humanitäre Hilfe

Experte: Darfur besonders schwierige Region für humanitäre Hilfe
Im Sudan herrscht seit fast drei Jahren Krieg. Am schlimmsten ist die Lage in der Region Darfur - auch für Hilfsorganisationen wie das International Rescue Committee. Dessen Nothilfekoordinator berichtet.
10.02.2026
epd
epd-Gespräch: Birte Mensing

Nairobi, Khartum (epd). Die sudanesische Region Darfur gehört laut dem Nothelfer Bob Kitchen zu den schwierigsten Einsatzgebieten der Welt. Der immense Bedarf, die Gewalt und die massiv eingeschränkte Erreichbarkeit stellten die Hilfsorganisationen vor riesige Herausforderungen, sagte der Nothilfekoordinator des International Rescue Committee (IRC) dem Evangelischen Pressedienst (epd) nach einer Reise in die Region. Allein die Lieferung von Hilfsgütern über den Tschad sei mit mehreren Flügen und einer drei bis vier Tage langen Lkw-Fahrt verbunden.

Das IRC unterstützt unter anderem Geflüchtete in einem Camp in der Ortschaft Tawila in Nord-Darfur. Dorthin sind Hunderttausende Menschen geflohen, nachdem die paramilitärische RSF-Miliz im Oktober nach 18 Monaten Belagerung die nahegelegene Stadt Al-Faschir eingenommen hat. „Alle unsere Mitarbeiter in der Region haben Familienmitglieder verloren“, sagte Kitchen.

Alle Parteien sollen Waffen niederlegen

Seit April 2023 kämpfen die sudanesische Armee und die paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF) um die Macht und Kontrolle über Land und Ressourcen und haben eine der schlimmsten Hunger- und Vertreibungskrisen ausgelöst. Zehntausende Menschen wurden getötet, etwa die Hälfte der Bevölkerung hungert, in einigen Teilen Darfurs herrscht eine Hungersnot, Millionen Menschen sind auf der Flucht. "Es gibt keine Partei, die allein verantwortlich ist. Aus unserer Sicht müssen alle ihre Waffen niederlegen”, erläuterte der IRC-Experte.

Besonders tragisch sei, dass viele der Männer und Frauen, die das IRC aktuell unterstützt, bereits mehrmals fliehen mussten, sagte Kitchen, der auch in den 2000er Jahren in Darfur im Einsatz war. Manche seien schon 2004 geflohen, um sich vor den Dschandschawid-Milizen zu retten, die damals ethnisch motivierte Massaker an der schwarzen, nicht-arabischen Bevölkerung verübten und aus denen die RSF hervorgegangen sind. Auch heute wird die Miliz für brutale Verbrechen, darunter sexuelle Gewalt und Hinrichtungen verantwortlich gemacht.

RSF will Hilfsorganisationen registrieren

Zugleich formalisieren die RSF laut Kitchen ihre Kontrolle über die eroberten Gebiete. Gemeinsam mit einer weiteren Miliz haben sie demnach die sogenannte Tasis-Regierung gegründet, die nun in den von den RSF kontrollierten Gebieten unter anderem Steuern eintreibt. Bisher hätten die RSF dort humanitäre Hilfe zugelassen. „Aber wir stehen jetzt kurz davor, dass sich dies ändert und komplexer wird, da NGOs aufgefordert werden, sich registrieren zu lassen.“