Gewerkschaft: Kein Gefühl der Sicherheit mehr beim Zugpersonal

Gewerkschaft: Kein Gefühl der Sicherheit mehr beim Zugpersonal
Doppelbesetzungen bei der Kontrolle und Bodycams - die Gewerkschaft EVG hat konkrete Forderungen für mehr Sicherheit im ÖPNV. Für Zugbegleiter gehören Konflikte mit Fahrgästen zum Alltag, sie fühlen sich wie Blitzableiter für die Probleme der Bahn.

Mainz (epd). Eine Woche nach der tödlichen Attacke auf einen rheinland-pfälzischen Zugbegleiter haben Mitglieder der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG in Mainz am Montag Einblicke in den von wachsender Aggressivität in den Zügen geprägten Arbeitsalltag gegeben. Mittlerweile sei es fast unmöglich, die Fahrgäste einzuschätzen, berichtete die als Zugbegleiterin tätige EVG-Funktionärin Michaela Kettner. Aggressive und extrem unfreundliche Fahrgäste gebe es aus allen gesellschaftlichen Schichten: „Sicher ist man auf keiner Strecke und zu keiner Uhrzeit.“

Zivilcourage bei anderen Fahrgästen habe abgenommen. Bei eskalierenden Konflikten dauere es oft sehr lange, bis die für die Bahn zuständige Bundespolizei vor Ort sei.

Messer am Hals, bespuckt, geschlagen

„Ich habe schon ein Messer am Hals gehabt, wurde bespuckt, habe mich geschlagen“, sagte die Gewerkschafterin Konstanze Alber. Insbesondere Respektlosigkeiten gegenüber Frauen hätten enorm zugenommen. Selbst manche männlichen Kollegen verzichten nach Aussage der EVG-Vertreterinnen aus Selbstschutz mittlerweile in bestimmten Situationen komplett auf Fahrkartenkontrollen und beschränkten sich auf einen „Präsenzgang“ durch den Zug.

Die Gewerkschaft EVG fordert von den zuständigen Landesregierungen, eine Doppelbesetzung in allen Zügen bereits bei der Ausschreibung von Nahverkehrsstrecken zur Pflicht zu machen. Dies könne prinzipiell auch durch den Einsatz von Sicherheitsdiensten erreicht werden. Allerdings sei ein guter Service an Bord auch der EVG ein wichtiges Anliegen, sagte der Mainzer Geschäftsstellenleiter Lars Kreer. Fahrgäste sollten auf der Fahrt nicht das Gefühl bekommen, sie würden nur noch von „schwarzen Sheriffs“ begleitet.

Am vergangenen Montag war der alleinerziehende Familienvater Serkan Çalar bei einer Kontrolle auf der Fahrt zwischen dem pfälzischen Landstuhl und dem saarländischen Homburg von einem Fahrgast attackiert worden. Er erlitt dabei eine Hirnblutung, an deren Folgen er verstarb.