Berlin (epd). Die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer tritt Forderungen aus der Union entgegen, das Recht auf Teilzeitarbeit einzuschränken. „Ich finde diese Debatte ausgesprochen unglücklich“, sagte die Vorsitzende des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Samstag). Wachstum sei nicht eine Frage der Wochenarbeitszeit, sondern der Arbeitsproduktivität, betonte die Ökonomin.
„Die wirtschaftliche Lage ist nicht gut und nun sucht man einen Schuldigen, der es sich in der Hängematte bequem macht, obwohl er eigentlich was arbeiten sollte. Erst waren es die Bürgergeld-Empfänger, jetzt sind es die Teilzeit-Kräfte. So kommen wir nicht weiter“, erklärte Schnitzer. Hintergrund der Debatte ist ein Vorschlag des Wirtschaftsflügels der CDU, der den Rechtsanspruch auf Teilzeit einschränken will.
Unternehmen investieren zu wenig
„Die Produktivität wächst, wenn die Arbeitskräfte mit immer besseren Maschinen und immer besserer KI arbeiten können“, sagte die Münchner Wirtschaftswissenschaftlerin. Hier werde viel zu wenig investiert. Die Unternehmen seien gefordert, mehr zu digitalisieren und zu automatisieren. Dann könnten die Arbeitskräfte in der gleichen Zeit mehr leisten.
Schnitzer verwies darauf, dass die Erwerbsquote zugenommen habe, insbesondere von Frauen. „Viele von ihnen können aber gar nicht Vollzeit arbeiten, weil die Kinderbetreuung in Deutschland zu wünschen übrig lässt“, kritisierte sie. Hinzu kämen steuerliche Anreize wie das Ehegattensplitting, das Vollzeitbeschäftigung für Zweitverdiener unattraktiver macht.


