Experte: Bahnmitarbeitende nicht ausreichend auf Gewalt vorbereitet

Experte: Bahnmitarbeitende nicht ausreichend auf Gewalt vorbereitet
Fähigkeiten zur Deeskalation müssen geübt werden, sagt der Gewaltpräventionsexperte Andreas Arnemann. Bei Gewalt in Zügen rät er anderen Fahrgästen davon ab, körperlich dazwischenzugehen.

Berlin (epd). Laut einem Experten für Krisen- und Bedrohungsmanagement benötigen Bahnmitarbeitende zum Schutz vor Gewalttaten mehr Training unter realitätsnahen Bedingungen. Viele Bahnmitarbeitende seien „auf echte Gewalt und Bedrohungslagen nicht ausreichend vorbereitet“, sagte Andreas Arnemann, Leiter des Kölner Instituts für Gewaltprävention und Bedrohungsmanagement, am Freitag im RBB-Hörfunk.

Deeskalation sei keine angeborene Fähigkeit oder Technik, die im Rahmen eines eintägigen Seminars eingeübt werden könne, erklärte Arnemann. Es gebe zwar seit 2023 ein Gesetz, das Unternehmen zur Schaffung eines gewaltfreien Arbeitsplatzes verpflichte. Dieses Bedrohungsmanagement könne durch Schulungen, Ausbildungen oder Fortbildungen geschehen. Oftmals hakt dies Arnemann zufolge allerdings noch, da an Kosten gespart werde.

Eigenschutz hat Vorrang

Anderen Fahrgästen rät der Experte, erst sich selbst zu schützen. In Konfliktsituationen sollte Abstand gehalten werden. Auch ohne selbst einzugreifen, könne professionell gehandelt werden, etwa durch das Betätigen eines Notrufknopfes. „Aktiv handeln heißt nicht, körperlich dazwischenzugehen“, sagte Arnemann.

In Rheinland-Pfalz war am Montagabend ein 36 Jahre alter Zugbegleiter bei der Fahrkartenkontrolle angegriffen und schwer verletzt worden. Er starb am Mittwoch. Der Tatverdächtige sitzt in Untersuchungshaft.