Todkranke Neugeborene: Mediziner fordert mehr Hilfe für Eltern

Todkranke Neugeborene: Mediziner fordert mehr Hilfe für Eltern
Rund 1.600 Kinder sterben in Deutschland pro Jahr kurz vor, während oder bis zu vier Wochen nach der Geburt. Die Eltern erhalten oft keine optimale Unterstützung, kritisiert ein Palliativmediziner.
05.02.2026
epd
epd-Gespräch: Martina Schwager

Berlin, Braunschweig (epd). Der Kinderarzt und Palliativmediziner Lars Garten sieht eine große Lücke bei der Unterstützung von Paaren, die ein todkrankes Kind erwarten. Eine professionelle psychosoziale Begleitung in der Schwangerschaft und eine anschließende Trauerbegleitung würden nicht von den Krankenkassen finanziert, kritisierte Garten in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Deshalb würden Perinatalzentren, die auf Frühgeborene spezialisiert sind, solche Angebote nicht in ausreichendem Maße anbieten. Für die betroffenen Paare oder Frauen wären sie aber wichtig. Jedes Jahr sterben in Deutschland 1.600 Kinder kurz vor, während oder bis zu vier Wochen nach der Geburt.

Eine gute Beratung während der Schwangerschaft nehme eine neutrale Position ein, erläuterte der medizinische Leiter des Palliativteams am Perinatalzentrum der Berliner Charité. Die Mütter oder die Paare stehen häufig vor der Entscheidung, die Schwangerschaft fortzuführen oder abzubrechen. Es sei wichtig, beide Optionen ohne Wertung, aber mit den jeweiligen Konsequenzen zu erläutern, betonte Garten. „Wir versuchen, den Zeitdruck herauszunehmen und die Paare dabei zu unterstützen, die für sie richtige Entscheidung zu treffen.“

Palliativ begleitete Geburten

Ebenso begleite sein Team, dem auch Hebammen und Seelsorger angehören, die Eltern der schwerst erkrankten Kinder während und nach der Geburt sowie nach dem Tod des Kindes. Die Charité nehme auch Paare auf, die mit dem Wunsch einer palliativ begleiteten Geburt kämen, auch wenn das die Sterberate der Klinik bei Neugeborenen steigere. „Eine hohe Sterberate mögen viele Kliniken nicht, weil sie fürchten, dadurch in der Öffentlichkeit schlechter dazustehen.“ Die Statistik unterscheide nicht zwischen dem Tod aufgrund einer schlechten medizinischen Behandlung und dem Tod nach einer palliativen Geburt.

Das Perinatalzentrum der Charité betreut im Jahr bis zu 40 Neugeborene, die an einer angeborenen oder erworbenen unheilbaren und lebensbegrenzenden Erkrankung leiden und innerhalb weniger Tage oder Wochen nach der Geburt sterben. Neugeborene bildeten die größte Untergruppe aller Todesfälle im Kindes- und Jugendalter, sagte Garten.

Er gründete zusammen mit Kolleginnen aus der psychosozialen Elternberatung und der Pflege das Palliativteam Neonatologie in der Charité 2014 als bundesweit erstes. Gemeinsam mit Kerstin von der Hude hat er ein entsprechendes Lehrbuch herausgegeben. Das Thema werde zunehmend stärker nachgefragt, sagte Garten. Er werde zu Kongressen und Workshops eingeladen, die fast immer ausgebucht seien. Unter Mitwirkung von Kolleginnen und Kollegen hat Garten zuletzt Leitlinien für die Palliativversorgung und Trauerbegleitung in der Peri- und Neonatologie erarbeitet.