Mainz (epd). Die tödliche Attacke auf einen rheinland-pfälzischen Zugbegleiter hat bei der Deutschen Bahn und in der Politik für Entsetzen gesorgt. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) räumte am Mittwoch ein, dass mehr für den Schutz von Bahnbediensteten getan werden müsse. „Züge und Bahnhöfe müssen sicher sein“, erklärte er. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) forderte eine Verschärfung des strafrechtlichen Schutzes für Mitarbeitende bei Dienstleistungsunternehmen wie der Bahn. „Der Strafrahmen muss ausgeweitet und die Mindeststrafen für Angriffe deutlich erhöht werden“, sagte Dobrindt.
Die Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn, Evelyn Palla, verurteilte den Gewaltexzess: „Heute ist ein schwarzer Tag für alle Eisenbahnerinnen und Eisenbahner im Land“, schrieb sie auf der Plattform LinkedIn. Die Deutsche Bahn hat im vergangenen Jahr mehr als 3.000 Angriffe auf Bahnpersonal gezählt. Das seien rund acht pro Tag, teilte ein Sprecher des Konzerns auf Anfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd) mit. Die Tendenz gegenüber 2024 sei gleichbleibend auf hohem Niveau, die Hälfte der Angriffe betreffe das Zugpersonal im Regionalverkehr.
Steigende Aggressivität gegenüber Bahnpersonal
Die Staatsanwaltschaft Zweibrücken hatte zuvor mitgeteilt, dass der bei dem Angriff schwer am Kopf verletzte Zugbegleiter am Morgen im Krankenhaus an seinen Verletzungen gestorben war. Bei der Fahrkartenkontrolle in einem Regionalexpress war der 36-jährige Serkan C. am Montagabend auf der Fahrt zwischen Landstuhl und Homburg von einem Reisenden ohne Fahrschein mit mehreren Faustschlägen gegen den Kopf attackiert worden. Der Zugbegleiter hatte den Mann aus dem Zug verwiesen.
Der Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Alexander Schweitzer, und die Ministerpräsidentin des Saarlandes, Anke Rehlinger (beide SPD), teilten in einer gemeinsamen Presseerklärung mit, die „schreckliche Gewalt gegen jemanden, der einfach seinen Job macht“, mache wütend und traurig. Sie ein furchtbarer Ausdruck der „seit langem steigenden Aggressivität“ gegenüber Bahnpersonal. Auch die beiden Regierungschefs kündigten gemeinsame Anstrengungen an, um Zugbegleiter und Fahrgäste besser zu schützen.
Mutmaßlicher Täter in Untersuchungshaft
Rettungskräften war es zunächst gelungen, den Zugbegleiter zu reanimieren und ins Uniklinikum Homburg zu bringen. Der Angreifer ist der Staatsanwaltschaft zufolge ein 26-jähriger griechischer Staatsbürger, der nach eigenen Angaben in Luxemburg wohne. Vorstrafen oder polizeiliche Erkenntnisse über ihn in Deutschland lägen nicht vor. Der Mann wurde von Beamten der Bundespolizei und der saarländischen Landespolizei festgenommen und befindet sich in Untersuchungshaft.
Kritik am mangelnden Schutz von Zugbegleitern äußerten Eisenbahner-Gewerkschaften. „Seit Jahren weisen wir darauf hin, dass die Übergriffe auf Zugpersonal zunehmen. Kolleginnen und Kollegen berichten von wachsender Respektlosigkeit, Drohungen und körperlicher Gewalt“, erklärte Mario Reiß, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL). Viele Situationen eskalierten schneller als früher: „Dennoch erleben wir in der politischen Debatte häufig Relativierungen, statistische Schönrechnungen oder Maßnahmen, die vor allem auf dem Papier gut aussehen.“
Bundesweite Schweigeminute
Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG rief Bahnbeschäftigte und Fahrgäste für 15 Uhr zu einer bundesweiten Schweigeminute auf. „Dieser brutale Überfall muss jetzt ein Umdenken einleiten“, forderte die EVG. „Wir erwarten, dass die Politik jetzt sofort Maßnahmen für mehr Sicherheit ergreift. So ein Fall darf sich niemals wiederholen.“


