"Ärzte ohne Grenzen" dringt auf Visa für Verletzte aus Gaza

"Ärzte ohne Grenzen" dringt auf Visa für Verletzte aus Gaza
Tausende kranke und verletzte Menschen im Gaza-Streifen können vor Ort nicht behandelt werden und warten auf Ausreise. "Ärzte ohne Grenzen" wirft der Bundesregierung eine Blockade vor und fordert, verletzte Kinder aufzunehmen.

Köln, Berlin (epd). Die Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ fordert von der Bundesregierung, verletzten Menschen aus dem Gaza-Streifen eine Behandlung in Deutschland zu ermöglichen. Trotz der Aufnahmebereitschaft einiger Kommunen „steht uns hier das Innenministerium total im Weg und blockiert eben die Visavergabe“, sagte Lara Dovifat, bei der Hilfsorganisation verantwortlich für strategische Arbeit, am Dienstag dem Radiosender WDR 5. Das sei „fatal“.

Mehrere deutsche Städte wie etwa Bonn, Köln und Hannover hatten sich bereits 2025 bereiterklärt, verletzte Kinder aus Gaza aufzunehmen und medizinisch zu versorgen. „Ärzte ohne Grenzen“ stehe mit ihnen in Kontakt, sagte Dovifat. Einige Krankenhäuser sowie Ärztinnen und Ärzte hätten bereits zugesagt, dass die Kinder behandelt werden können. Nun sei die Bundesregierung gefordert, humanitäre Visa für dringend behandlungsbedürftige Kinder auszustellen.

Dovifat: Mehr als 18.000 Menschen warten auf Evakuierung

Insgesamt warteten mehr als 18.000 Menschen in Gaza auf eine lebensrettende Evakuierung und Behandlung im Ausland, sagte Dovifat. Dabei gehe es vor allem um Brandverletzte, darunter viele Kinder. Aber auch Menschen mit angeborenen Erkrankungen, Herz-Kreislauf-Problemen oder Krebs warteten auf eine Behandlung. „Und es ist ein Rennen um die Zeit“, betonte die Mitarbeiterin von „Ärzte ohne Grenzen“. In Gaza könnten viele Behandlungen nicht mehr geleistet werden, da das Gesundheitssystem nach zwei Jahren Krieg völlig zerstört sei.

„Die gute Nachricht ist, dass tatsächlich tausende Menschen im Ausland auch schon behandelt werden konnten“, sagte Dovifat. Viele Länder seien aufnahmebereit, in Europa etwa Rumänien und Italien. Und auch unter Medizinern weltweit gebe es eine große Bereitschaft, den Menschen aus Gaza zu helfen. Zudem hat Israel den Grenzübergang zwischen dem Gaza-Streifen und Ägypten geöffnet. Einige Verletzte konnten Medienberichten zufolge bereits ausreisen.