Düsseldorf (epd). Der rheinische Präses Thorsten Latzel fordert eine gerechtere Verteilung von Reichtum. Vermögen sei europaweit nirgends so ungleich verteilt wie in Deutschland, sagte der leitende Theologe der Evangelischen Kirche im Rheinland am Montagabend bei einer Veranstaltung von Unternehmensverbänden in Düsseldorf. Die Gesellschaft drifte auseinander, Arme würden immer ärmer und Reiche immer reicher. Menschen und Unternehmen mit hohen Vermögen müssten daher einen wesentlichen Beitrag zur sozialen Sicherung leisten, betonte Latzel in einer Diskussion über nötige Umbrüche in Unternehmen und Kirchen. Er verwies auf den im Grundgesetz verankerten Grundsatz „Eigentum verpflichtet“.
Der nordrhein-westfälische Arbeitgeberpräsident Arndt Kirchhoff verlangte dagegen einen „grundlegenden Mentalitätswandel“ zu mehr Eigenverantwortung. „Wandel ist nur mit Leistung zu stemmen“, sagte der 71-jährige Chef der NRW-Landesvereinigung der Unternehmensverbände. Staatliche Sozialleistungen dürften nur Menschen erhalten, „die in Not sind“. Sonst würden Anreize gesetzt, nicht zu arbeiten und stattdessen solche Leistungen zu kassieren: Menschen wollten „aus dem System etwas herausholen“. In Deutschland müsse eine Leistungs- statt einer Neiddebatte geführt werden. Von Kirchen und Staat erwarte er, dass sie dies den Menschen erklären.
Soziale Verantwortung und demokratische Kräfte stärken
Latzel betonte indes, es gehe nicht um Neid, sondern um soziale Teilhabe. Er habe Hochachtung vor Unternehmen, die soziale Verantwortung übernehmen und Arbeitsplätze sichern. Es gebe aber auch eine Haltung von Unternehmertum ohne die Übernahme sozialer Verantwortung, bei der ausschließlich Gewinnstreben eine Rolle spiele. Als Beispiel nannte der 55-jährige Theologe Modelle wie Cum-Ex-Aktiengeschäfte auf Kosten der Steuerzahler. Soziale Verantwortung sei besonders wichtig in einer Phase, in der „ein nationalistisch-faschistoides Denken neu erwacht“ sei und „wir die demokratischen, gemeinwesenorientierten Kräfte stärken müssen“.
Lernen kann Kirche nach Latzels Worten von unternehmerischem Geist in den Betrieben. Umgekehrt könne die Bibel ein „ethisches Leitbuch“ auch für Führungsverantwortung in Unternehmen sein. Wer andere führen wolle, müsse klären, was ihn selbst leitet und auf welche Stimmen er hört. Zu Leitungskompetenzen gehörten auch das Wissen um die eigenen Grenzen, das Teilen von Verantwortung und die Begrenzung von Macht. Aus christlicher Sicht hätten letztlich „alle sozialen Teilbereiche die Aufgabe, der Würde des Menschen zu dienen“.
Unter dem Titel „In die Zukunft führen“ ging es in der Diskussionsveranstaltung um die Gestaltung von Umbrüchen in Unternehmen und Kirchen. Veranstalter waren der Arbeitskreis Evangelischer Unternehmer (aeu), das Evangelische Büro NRW, der Bund Katholischer Unternehmer (BKU) und die Landesvereinigung der Unternehmensverbände (unternehmer nrw).


