Frankfurt a.M. (epd). Die Kirchen müssen bei der Bekämpfung des Antisemitismus nach den Worten der Studienleiterin der Evangelischen Akademie Frankfurt am Main, Annegreth Schilling, bei sich selbst anfangen. „Das Christentum hat in der Geschichte maßgeblich zur Etablierung des Antisemitismus beigetragen“, sagte die Theologin in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Auch der zeitgenössische Antisemitismus heute trage „christliche Signaturen“. So werde die Verleumdung von Juden im Mittelalter, sie ermordeten christliche Kinder, auf Pro-Palästina-Demonstrationen mit dem Ruf „Kindermörder Israel“ aktualisiert fortgesetzt.
Die Evangelische Akademie Frankfurt wolle Interessierte als Botschafter gegen Antisemitismus gewinnen, erklärte die Studienleiterin. Das Mittel dafür sei der gesetzlich gewährte Bildungsurlaub. Die Akademie bereite ein bisher beispielloses Angebot vor: Die bis zu 20 Teilnehmer eines Kurses lernten, ausgehend von persönlichen Erfahrungen, „antisemitische Codes zu dechiffrieren“. Anschließend sollten sie angeregt werden, in ihrem Umfeld Projekte gegen Antisemitismus anzustoßen. Das könnte ein Vortrag über die antijüdischen Stellen in den Evangelien vor der Aufführung einer Passionsmusik sein, eine Putzaktion von „Stolpersteinen“ zur Erinnerung an NS-Opfer oder die Einladung von Juden in eine Veranstaltung.
„Jesus war Jude“
Christen müssten anerkennen, dass Jesus Jude war - „das verändert alles“, sagte Schilling. Die Akademie strebe an, Engagierte in Kirchen, Gewerkschaften, Vereinen oder Kommunalverwaltungen als Multiplikatoren zu gewinnen. Wenn das Konzept des fünftägigen Bildungsurlaubs über fünf Tage im Sommer genehmigt werde, könnten sich Interessenten ab Herbst bewerben.
Der erste Kurs soll Schilling zufolge im März 2027 stattfinden. Das Land Hessen fördere das Projekt bis 2029 mit 47.000 Euro und werde die Kurskosten der Teilnehmer übernehmen. Die Akademie strebe an, die von den Kursen angestoßenen Projekte öffentlich vorzustellen.


