Berlin, Buenos Aires (epd). Die argentinische Regierung hat wegen der seit Wochen andauernden Waldbrände im Süden des Landes den Notstand ausgerufen. Durch ein am Freitag veröffentlichtes Dekret sollen zusätzliche finanzielle Mittel bereitgestellt werden, um die Löschung voranzutreiben, der betroffenen Bevölkerung zu helfen und einen Wiederaufbau zu ermöglichen. Damit reagiert Präsident Javier Milei auf Kritik, er sei zu lange untätig gewesen.
Die Brände in der patagonischen Provinz Chubut halten seit Dezember an und sind laut dem EU-Klimadienst Copernicus die schlimmsten seit mindestens zwei Jahrzehnten. Bislang verbrannte nach Berichten der Zeitung „La Nación“ eine Fläche von 2.300 Quadratkilometern, was etwa der Größe des Saarlandes entspricht. Copernicus zufolge ist auch der Nationalpark Los Alerces betroffen. Die Brände halten demnach wegen hoher Temperaturen, Trockenheit und starker Winde so lange an.
Trockenheit durch Klimawandel verstärkt Waldbrände
Präsident Milei verbreitete bereits vor Veröffentlichung des Dekrets am Donnerstagabend (Ortszeit) auf der Plattform X eine Statistik, wonach die Regierung umgerechnet knapp 60 Millionen Euro zur Bekämpfung der Waldbrände und Stärkung der Feuerwehr bereitgestellt habe. Davor hatte die Regierung militante Gruppen der indigenen Mapuche für die Waldbrände verantwortlich gemacht, ohne dafür Beweise vorzulegen. In einer gemeinsamen Erklärung warfen daraufhin Umweltorganisationen, darunter Greenpeace, der Regierung Rassismus und Untätigkeit bei der Bekämpfung der Waldbrände vor.
In Argentinien und dem Nachbarland Chile wüten jeweils im Sommer schwere Waldbrände. Dafür verantwortlich seien die im Zuge des Klimawandels immer trockener werdenden Sommer, erläuterte der Leiter des Bereichs Forstwirtschaft der Abteilung Naturschutz des Nationalparks Nahuel Huapi, Camilo Bagnato, der Zeitung „La Nación“. Zudem könnten sich durch Unachtsamkeit oder Blitzeinschlag verursachte Feuer in großen Kiefernplantagen schnell ausbreiten. Die Kiefern werden zur Gewinnung von Zellstoff und Baumaterial angebaut, stehen aber in der Kritik, weil sie die Böden austrocknen.


