Berlin (epd). Sozialverbände und Verbraucherschützer fordern, Bargeld als Zahlungsmittel gesetzlich zu schützen. Insgesamt 14 Verbände stehen hinter einem „Bargeld-Appell“, der am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde. Es müsse sichergestellt werden, dass Bargeld bei der Zahlung akzeptiert und wohnortnah am Automaten abgehoben werden könne, heißt es darin.
Der Appell sei an mehrere Bundesministerien sowie die Deutsche Bundesbank übergeben worden, sagte die Finanzmarkt-Expertin beim Verbraucherzentrale Bundesverband, Dorothea Mohn, bei der Vorstellung. Das Schreiben unterzeichneten unter anderem auch die Arbeiterwohlfahrt, der Sozialverband VdK, das Deutsche Kinderhilfswerk sowie Organisationen aus dem Bäckerhandwerk, von Schaustellern und Marktkaufleuten.
Bäcker-Verband: Bargeld-System wird abgewickelt
Die Verbände sehen die Bargeld-Nutzung allgemein unter Druck. „Für den Handel und das Handwerk steigen die Kosten für die Annahme von Bargeldzahlungen und das Bereithalten von Wechselgeld“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks, Friedemann Berg. „Hier wird eine Infrastruktur, die Sicherheit und Stabilität gewährt, abgebaut und abgewickelt.“
Berg betonte zudem, Bargeld könne in Krisenlagen einen funktionierenden Handel gewährleisten. Bei Stromausfällen, Hackerangriffen, Softwarestörungen oder Naturkatastrophen könne weiterhin mit Bargeld gezahlt werden. Elektronische Zahlungssysteme fielen dagegen aus.
Diakonie warnt vor Ausgrenzung
Aus der Sicht von Michael David von der Diakonie grenzt eine weitgehende Umstellung auf digitale Zahlungsmittel Teile der Gesellschaft aus, etwa Kinder, Ältere, Wohnungslose oder Menschen mit Behinderung. Wenn für öffentliche Toiletten, Parkscheinautomaten sowie Schwimmbäder nicht mit Bargeld gezahlt werden könne, stehe für diese Menschen der Zugang zu grundlegenden Gütern infrage, sagte David. Verglichen mit dem technischen Aufwand, der nötig sei, um allen Menschen Zugang zu digitalen Zahlungsmitteln zu sichern, sei eine Stärkung der Bargeld-Infrastruktur praktikabler.
In einer auf die Präsentation folgenden Diskussion widersprach Christine Weiß vom Bundesjustizministerium der Einschätzung, dass Bargeld grundsätzlich auf dem Rückzug sei. „Wir sehen keine Tendenz, dass das Bargeld verschwindet“, sagte sie. Weiß kritisierte zudem eine überspitzte Wortwahl des Appells. Der Titel „Bargeld muss bleiben“ lege einen politischen Willen nahe, Bargeld abzuschaffen, und spiele damit rechten Parteien in die Hände.
Die Expertin für Zahlungsverkehr beim Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken, Susann Lehniger, zeigte sich angesichts der Forderungen nach einer stärkeren staatlichen Regulierung skeptisch. Sie verwies auf eine sinkende Beliebtheit des Zahlungsmittels bei den Kunden. „Wir werden Bargeld so weit anbieten, wie unsere Kunden das nachfragen“, sagte Lehniger.


