Berlin (epd). Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) wehrt sich gegen die Pläne der Bundesregierung, den Acht-Stunden-Arbeitstag stärker infrage zu stellen. „Was Bundeswirtschaftsministerin Reiche mit ihrer Tourismusstrategie vorgelegt hat, ist ein erneuter Angriff auf humane Arbeitszeiten und ein erneuter Versuch, ausbeuterische Geschäftsmodelle zu legalisieren“, sagte DGB-Chefin Yasmin Fahimi den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Donnerstag).
Zeitgemäße Arbeitsbedingungen und mehr Vereinbarkeit mit der Familie schaffe man nicht, indem Beschäftigte „dem Druck und der Willkür der Arbeitgeber“ ausgesetzt würden, sagte Fahimi. „Und ganz bestimmt nicht dadurch, dass die Kollegin im Hotel morgens den Kaffee ausschenkt, nachdem sie am Abend vorher das letzte Bier gezapft hat“, fügte Fahimi hinzu.
Vorschlag zu weniger Bürokratie für tarifgebundene Betriebe
Stattdessen schlug die DGB-Chefin vor, Dokumentationspflichten nur für Betriebe in der Tourismusbranche zu reduzieren, die tarifgebunden sind und einen Betriebsrat haben. „Damit schafft man tatsächlich bessere Arbeitsbedingungen und familiengerechte Arbeitszeiten.“
Das Bundeskabinett hatte am Mittwoch auf Vorschlag von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) eine sogenannte Nationale Tourismusstrategie verabschiedet. Unter anderem sieht sie vor, die bisherige tägliche Höchstarbeitszeit durch eine wöchentliche Obergrenze zu ersetzen.
Eine im Dezember veröffentlichte Umfrage des DGB unter Beschäftigten hatte ergeben, dass eine große Mehrheit (72 Prozent) täglich nicht länger als acht Stunden arbeiten will. 98 Prozent der Befragten sprachen sich laut DGB-Index Gute Arbeit gegen Arbeitsstunden von mehr als zehn Stunden täglich aus.


