Berlin (epd). In Berlin ist am Mittwoch mit einer Gedenkveranstaltung an die Opfer der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Morde erinnert worden. „Diese Schande wird die deutsche Medizin nicht los, und die deutsche Medizin wird damit auch immer verbunden sein“, sagte der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Jürgen Dusel.
Vor dem Gedenk- und Informationsort T4 neben der Philharmonie erinnerte Dusel an die „grausamen Versuche von einer enthemmten deutschen Medizin“. Die NS-Ärzte hätten Überdosen verabreicht, Menschen erstickt oder sie verhungern lassen.
Europaweit 300.000 Kranken-Tötungen
Am Gedenken nahmen unter anderem Bundestagsvizepräsident Bodo Ramelow (Linke), die Antidiskriminierungsbeauftragte des Bundes, Ferda Ataman, und der Initiator des Berliner Behindertenparlaments, Christian Specht, teil. Musikalisch wurde die Veranstaltung von Jeremi Zschocke und seinen Geschwistern begleitet. Zschocke hat das Down-Syndrom und spielt Violoncello.
Die Nazis hatten im Zuge der sogenannten „Aktion T4“ mehr als 70.000 Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen aus Heil- und Pflegeanstalten von Ärztinnen, Ärzten und Pflegekräften ermorden lassen. Die „Aktion T4“ war benannt nach der Adresse der damaligen „Zentraldienststelle T4“ an der Tiergartenstraße 4, wo sich heute der Gedenk- und Informationsort befindet. Europaweit wird von 300.000 Kranken-Tötungen ausgegangen. Hinzu kamen unzählige Zwangssterilisierungen.


