Recyclingquote bei Kunststoffen steigt auf über 70 Prozent

Recyclingquote bei Kunststoffen steigt auf über 70 Prozent
Die Wiederverwertung von Kunststoffverpackungen aus dem Müll kommt in Deutschland voran. Sorgenkind ist das Glas-Recycling. Und manche Mythen zur Verwertung von Abfällen kann das Umweltbundesamt mit Zahlen widerlegen.
27.01.2026
epd
Von Thomas Nawrath (epd)

Dessau-Roßlau (epd). Dank guter Mülltrennung der privaten Haushalte und verbesserter Technik in den Sortieranlagen hat die Entsorgungswirtschaft 2024 bundesweit rund 5,5 Millionen Tonnen Verpackungsabfälle sammeln und verwerten können. Im Vergleich zum Vorjahr sei durch die dualen Systeme damit eine ähnlich große Menge Verpackungen recycelt worden wie im Jahr 2023, teilten das Umweltbundesamt (UBA) und die Zentrale Stelle Verpackungsregister (ZSVR) am Dienstag in Dessau-Roßlau mit. Vor allem die Mengen der Kunststoffverpackungen (plus 4,1 Prozent) und Verbundverpackungen (plus 9,3 Prozent), die dem Recyclingsystem zur Verfügung stehen, sind deutlich gewachsen.

In den Corona-Jahren 2020 und 2021 war die gesamte Verpackungsmenge mit rund 5,9 Millionen Tonnen spürbar größer. Entsprechend stehe heute weniger recyclingfähiges Material als Ausgangsprodukt für neue Produkte zur Verfügung, hieß es.

Fehlende Glascontainer

Während bei Kunststoffen, Kartons und Verbundverpackungen die Menge seit 2022 wieder etwas angestiegen ist, haben die Entsorger beim Glas mit einem deutlichen Rückgang zu kämpfen, wie Gunda Rachut sagte, Vorstand des Verpackungsregisters. Gerade in Städten seien vielerorts Sammelcontainer in den Wohngebieten abgebaut und nicht ersetzt worden, weil Anwohner oder Berufstätige im Homeoffice sich über die Lärmbelästigung beschwert hätten.

Da die Haushalte dennoch Gläser und Flaschen einkauften, landeten diese vermehrt in der Restmülltonne. So sei die Recyclingquote bei Glas auf knapp unter 83 Prozent gesunken. Die Experten schlagen deshalb vor, Glascontainer auf den Parkplätzen der Supermärkte aufzustellen, um diesen Trend umzukehren.

Quote bei Kunststoffen erhöht

Andererseits stieg die Recyclingquote bei Kunststoffverpackungen auf 70,8 Prozent, wie Rachut sagte. 2018 habe dieser Wert noch bei 42,1 Prozent gelegen. Sie nannte für die gestiegenen Sortierquoten drei Gründe: eine gute Mülltrennung, verbessertes recyclinggerechtes Design der Verpackungen sowie effektivere Technik in den Sortieranlagen. „Den Irrglauben, es würde ohnehin alles verbrannt, können wir damit eindrucksvoll widerlegen“, sagte Rachut.

Allerdings habe die Entsorgungswirtschaft zunehmend damit zu kämpfen, dass hohe Energiekosten und gestiegene Löhne zu einer Schließung von Anlagen oder der Abwanderung von Recyclingunternehmen ins Ausland führten. So wurden laut Rachut bei einem Teil der Verbundverpackungen im Jahr 2024 „rund 60 Prozent im Ausland verwertet“. Um unter anderem die Recyclingquote von Getränkekartons wirksam zu erhöhen, fordert etwa die Deutsche Umwelthilfe (DUH) die Einführung eines Pfandes von 25 Cent.

Glasmythos widerlegt

Beim Glasrecycling halte sich seit Jahren der Mythos, dass das Containerglas beim Transport wieder gemischt werde. Dem widersprach die Fachbereichsleiterin für Kreislaufwirtschaft beim Umweltbundesamt, Bettina Rechenberg, entschieden: „Moderne Sammelfahrzeuge transportieren das gesammelte Glas in separaten Kammern“. Nur die sortenreine Sammlung und Weiterverarbeitung von Weiß-, Braun- und Grünglas sichere die hohen Qualitätsanforderungen der Glashersteller.