Pastor in Minneapolis warnt vor Folgen der ICE-Razzien

Pastor in Minneapolis warnt vor Folgen der ICE-Razzien
Ein Pastor in Minneapolis schlägt Alarm: Wegen harter Razzien der US-Einwanderungsbehörde ICE bleiben Kirchen leer, Spenden brechen weg - und viele Latino-Familien trauen sich nicht mehr aus dem Haus.

Frankfurt a.M. (epd). Sergio Amezcua, Pastor einer evangelikalen Gemeinde in Minneapolis, beobachtet einen Rückgang der Gottesdienstbesucher von 70 Prozent in seiner Kirche. Andere Kirchen hätten ihre Präsenzgottesdienste vollständig eingestellt und seien komplett auf Online-Angebote umgestiegen, sagte Amezcua dem evangelischen Monatsmagazin „chrismon“ (Online, Dienstag) mit Blick auf die Razzien der US-Einwanderungsbehörde ICE in der Großstadt: „In kirchlichen Gemeinden in Minneapolis ist die Sorge groß, die Mieten oder Hypotheken für die Gebäude nicht mehr bezahlen zu können. Viele Spenden fallen weg - entweder, weil es überhaupt keine Gottesdienste mehr gibt oder weil die Besucher ausbleiben.“

Seiner Gemeinde, der Iglesia Dios Habla Hoy, gehörten zu etwa 90 Prozent Latinos an, fügte der Pastor hinzu: „Die Hälfte ist hier geboren. Die andere Hälfte sind Einwanderer aus verschiedenen hispanischen Herkunftsländern.“ Er berichtet von einer Atmosphäre aus Angst und Wut, die insbesondere Latinos und Migrantinnen und Migranten treffe. Seit Dezember militarisiere die „Bundesregierung unseren Bundesstaat mit ihren Nazi-Aktionen“, sagte Amezcua. Kinder gingen nicht zur Schule, Kranke nicht ins Krankenhaus, Menschen nicht mehr arbeiten.

Gebet auch für den Präsidenten

Er verstehe seine Kanzel als Ort, an dem die Ereignisse benannt werden: „Wir hassen unsere Regierung nicht, wir hassen die Beamten nicht. Sie sind auch Menschen. Wir beten für sie, wir beten sogar für den Präsidenten. Aber wir erheben unsere Stimme, um den Menschen zu sagen, dass das, was sie tun, falsch ist. Es ist blanker Rassismus im Namen von Patriotismus. Und das muss aufhören.“

In einer Predigt habe er der bei ICE-Einsätzen getöteten Bürger der Stadt, Renee Good und Alex Pretti, gedacht. Am 7. Januar erschoss ein ICE-Beamter die 37-jährige Good, am 24. Januar erschoss ein Bundesbeamter unter bisher nicht genau geklärten Umständen den 37 Jahre alten Krankenpfleger Pretti.