Vorsitzende sieht Aufarbeitungskommission "am absoluten Limit"

Vorsitzende sieht Aufarbeitungskommission "am absoluten Limit"
Seit dem vergangenen Jahr hat die Kommission zur Aufarbeitung von Kindesmissbrauch neue Aufgaben. Diese drohen, das Gremium zu überlasten, sagt die Vorsitzende Julia Gebrande.
23.01.2026
epd
epd-Gespräch: Christina Neuhaus (epd)

Berlin (epd). Die unabhängige Kommission des Bundes zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs befindet sich laut ihrer Vorsitzenden Julia Gebrande nah an der Überlastung. Mit der Erweiterung der Aufgaben im vergangenen Jahr „sind wir am absoluten Limit unserer Möglichkeiten angelangt“, sagte Gebrande dem Evangelischen Pressedienst (epd). „Und wenn wir das alles gut machen wollen, dann brauchen wir mehr Ressourcen.“ Gebrande kritisierte, dass es „ein Gesetz gibt, das uns Aufgaben gibt, aber das nicht mit Ressourcen unterlegt“.

Die Sozialpädagogin Gebrande, die an der Hochschule Esslingen lehrt, ist seit 2022 Mitglied und seit 2024 Vorsitzende der Aufarbeitungskommission. Das vor zehn Jahren eingerichtete Gremium hatte 2025 eine gesetzliche Grundlage bekommen, was Gebrande als „Meilenstein“ bezeichnete. Mit dem Gesetz wurden die Aufgaben der Kommission neu definiert. Unter anderem muss sie nun dem Bundestag regelmäßig einen Bericht über ihre Arbeit vorlegen. Auch die „Beobachtung, Begleitung und Bewertung des Fortschritts institutioneller Aufarbeitungsprozesse in Deutschland“ stehen als Aufgaben im Gesetz.

Ehrenamtliche Lösung infrage gestellt

Das bedeute, dass sie und ihre sechs Kolleginnen und Kollegen sich auch mit bereits bearbeiteten Themenbereichen weiter beschäftigten, erläuterte Gebrande. „Denn von der Kommission wird zu Recht erwartet, dass wir alle Bereiche mit im Blick haben.“ Gleichzeitig identifizierten die Mitglieder „immer wieder neue Themenbereiche, in denen es bisher kaum Aufarbeitung gab. So erweitert sich unser Tableau immer weiter.“

Die Kommission arbeitet bislang ehrenamtlich. Angesichts der neuen Aufgaben „muss man sich tatsächlich überlegen, ob so etwas weiter ehrenamtlich leistbar ist oder ob es nicht langfristig auch neue Strukturen braucht“, sagte Gebrande dazu dem epd. Als „Minimalforderung“ an die Politik nannte sie, „dass wir die finanziellen und personellen Ressourcen haben, um unsere Arbeit leisten zu können“.