Kassenärzte: Nur 0,9 Prozent der Krankschreibungen per Telefon

Kassenärzte: Nur 0,9 Prozent der Krankschreibungen per Telefon
Kassenärzte weisen Kritik an der telefonischen Krankschreibung zurück. Der hohe Krankenstand habe damit nichts zu tun, sagt Vorstandsvorsitzender Frank Bergmann.

Düsseldorf (epd). In der Debatte um Krankschreibungen per Telefon warnt die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Nordrhein vor einer „Phantom-Diskussion“. Die Probleme des vergleichsweise hohen Krankenstandes in Deutschland seien nicht durch die relativ geringe Zahl telefonischer Arbeitsunfähigkeits-Bescheinigungen bedingt, erklärte der KV-Vorsitzende Frank Bergmann am Donnerstag in Düsseldorf. Laut Daten des Zentralinstituts für die Kassenärztliche Versorgung aus dem Herbst vergangenen Jahres machten telefonische Krankschreibungen lediglich 0,9 Prozent aller Fälle bundesweit aus

Die telefonische Krankschreibung sei für die Praxen im Land „ein funktionierendes Instrument für persönlich bekannte Patientinnen und Patienten sowie chronisch Erkrankte“, betonte Bergmann. Zudem seien die Regeln, ob und wann eine Krankschreibung telefonisch erfolgen kann, nach der Corona-Pandemie zu Recht verschärft worden. Eine Arbeitsunfähigkeit per Telefonanruf sei „nur zulässig, wenn die Praxis die Patientin oder den Patienten kennt und selbst keine Videosprechstunde anbietet“.

Zahl der Krankmeldungen per Telefon ist „faktisch gering“

Zur Senkung der Krankenstände brauchte es deshalb „Strukturreformen statt Symboldebatten“, betonte Bergmann. Ein Ende der Krankschreibung per Telefon „würde im Ergebnis am Krankenstand nichts ändern, wohl aber die Praxen künftig wieder mehr belasten“.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte vor Kurzem den Krankenstand in Deutschen kritisiert und unter anderem moniert, dass sich Beschäftigte wegen der Möglichkeit zur telefonischen Krankschreibung zu leicht von der Arbeit abmelden könnten. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) kündigte an, die aktuelle Regelung überprüfen zu wollen.