"Shoah Stories": Holocaust-Vermittlung im TikTok-Stil

"Shoah Stories": Holocaust-Vermittlung im TikTok-Stil
Um junge Menschen über den Holocaust aufzuklären, bietet das Anne Frank Zentrum eine neue Plattform. Kurzvideos von Gedenkstätten sind dort verfügbar. "Shoah Stories" soll auch den Unterricht ergänzen.
21.01.2026
epd
Von Jonas Grimm (epd)

Berlin (epd). Mit „Shoah Stories“ hat das Anne Frank Zentrum am Mittwoch eine internationale Bildungsplattform zur Vermittlung des Holocaust gestartet. Die Online-Plattform bündele Kurzvideos von mehr als 20 Gedenkstätten, Museen und Bildungseinrichtungen weltweit, sagte Co-Initiator Tobias Ebbrecht-Hartmann von der Hebrew University Jerusalem am Mittwoch in Berlin. Ziel des Projekts sei es, „junge Menschen in ihrer eigenen medialen Sprache abzuholen“.

Die Beiträge sind unter anderem mit Überlebenden und Mitarbeitenden von Gedenkstätten. Für Lehrkräfte soll die Plattform eine Ergänzung zum Unterricht darstellen. Sie können sich dort etwa Unterrichtspläne herunterladen oder den Besuch von Gedenkstätten mit ihren Klassen planen.

An Lehrpläne der Länder angepasst

Die Unterrichtskonzepte basieren dabei auf nationalen Vorgaben für die Schulen. Während in deutschen Lehrplänen der Fokus etwa auf der Täterperspektive liege, werde sich an israelischen Schulen auf die Opfer konzentriert. Bislang beherbergt die Plattform mehr als 20 Videos. Die Zahl soll allerdings noch wachsen. Zudem gebe es für Lehrkräfte bereits mehr Material in der Datenbank.

In einem Video der KZ-Gedenkstätte Buchenwald klärt ein Historiker etwa über die Bedeutung der Torinschrift „Jedem das Seine“ in der NS-Zeit auf. In einem 20-sekündigen Clip erzählt die 2024 verstorbene Zeitzeugin Lily Ebert, wie es sich angefühlt hat, in Auschwitz ihre Nummer tätowiert zu bekommen. In der mobilen Anwendung auf dem Smartphone werden die Videos analog zum TikTok-Mechanismus nach oben gewischt und ein neues erscheint.

Umstrittener TikTok-Trend

Über weiterführende Verlinkungen können auch die Kanäle der einzelnen Institutionen direkt angesteuert werden. Die Plattform ist derzeit auf Deutsch und Englisch verfügbar, perspektivisch soll sie den Angaben zufolge um fünf Sprachen erweitert werden.

Auslöser für die Entwicklung von „Shoah Stories“ sei der umstrittene Trend „POV Holocaust Challenge“ auf TikTok gewesen, hieß es weiter. Nutzende fingen im Jahr 2020 auf der Plattform an, in Videos Holocaustüberlebende zu mimen. Im Anschluss hätten sich auch Gedenkstätten intensiver mit der Holocaust-Vermittlung in Form von Kurzvideos auseinandergesetzt. Es sei für Gedenkstätten ein Spagat gewesen, in sozialen Medien aufzutreten und das ernste Thema zu vermitteln, erklärte Co-Initiator Samson Wollenberger-Schevitz.

Prien: Beitrag gegen Verschwörungstheorien

Bildungsministerin Karin Prien (CDU) erklärte zum Start in einer Grußbotschaft, der „tödliche Hass auf Juden“ sei wieder traurige Realität. Die Plattform könne einen wichtigen Beitrag gegen Verschwörungstheorien leisten und zeigen, „wohin Ideologie und Hass führen können“.

Auf „Shoah Stories“ sind etwa die KZ-Gedenkstätten Mauthausen und Buchenwald, das US-amerikanische Holocaust Museum LA, das niederländische Anne Frank Haus und das südafrikanische Holocaust & Genocide Centre in Johannesburg mit Videos vertreten. Das vom Anne Frank Zentrum durchgeführte Projekt baut auf der internationalen „TikTok Shoah Gedenk- und Bildungsinitiative“ auf, die seit 2021 weltweit mehr als 50 Gedenkstätten, Museen und Organisationen beim Aufbau eigener TikTok-Kanäle unterstützt hat.