Halle (epd). Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina fordert eine nationale Adipositas-Strategie. „Wir sprechen mittlerweile von einer Epidemie“, sagte der Sprecher der Leopoldina-Arbeitsgruppe zu Adipositas, Alexander Pfeifer, am Mittwoch bei der Vorstellung eines Strategiepapiers in Halle (Saale). Zwei Drittel der Männer und die Hälfte der Frauen in Deutschland litten an Übergewicht.
Mittlerweile sei auch jedes sechste Kind betroffen, sagte Pfeifer. In ihrer Strategie schlagen die Experten der Leopoldina eine Kombination aus Prävention und neuen Therapien wie Abnehmspritzen vor. Adipositas sei nicht nur eine weitverbreitete chronische Erkrankung, sondern auch sehr komplex. „Oft reicht eine kalorienarme Diät allein nicht aus, um das Gewicht zu reduzieren“, ergänzte Pfeifer. So habe Adipositas zum Teil auch genetische Ursachen.
Hohe Kosten
Andererseits bedingt Adipositas schwere Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt, Bluthochdruck, Diabetes oder Krebs. „Hinzu kommt, dass Adipositas große soziale Auswirkungen hat, mit Diskriminierung verbunden ist und gesellschaftliche Teilhabe erschwert“, ergänzte die Leopoldina in ihrem Strategiepapier. Die volkswirtschaftlichen Kosten in Deutschland würden sich insgesamt auf etwa 113 Milliarden Euro im Jahr summieren.
Als Nationale Akademie der Wissenschaften leistet die Leopoldina seit 2008 unabhängige wissenschaftsbasierte Politikberatung zu gesellschaftlich relevanten Fragen.


