Berlin (epd). Der Besuch wurde abgesagt, der Protest nicht: Mehr als 1.000 Menschen haben im Berliner Regierungsviertel gegen die Einladung von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) an den syrischen Machthaber Ahmed al-Scharaa nach Deutschland protestiert. Zu den Versammlungen am Montagnachmittag hatten pro-kurdische und -alevitische Organisationen eingeladen.
Nach Angaben der Berliner Polizei versammelten sich bei einer Kundgebung am Brandenburger Tor 800 Menschen. Einer zweiten Demonstration, die vom Bundeskanzleramt in Richtung der Kundgebung am Brandenburger Tor zog, schlossen sich laut Polizei 400 Demonstrierende an.
Proteste fordern Einstellung der Zusammenarbeit mit al-Scharaa
Auf Transparenten forderten die Demonstrierenden die Bundesregierung auf, die Zusammenarbeit mit der syrischen Regierung einzustellen, forderten Schutz für Minderheiten in Syrien oder kurdische Selbstverwaltung. Rednerinnen und Redner kritisierten auch, dass Kanzler Merz mit al-Scharaa über die Rückführung von syrischen Flüchtlingen aus Deutschland diskutieren wollte.
Der syrische Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa hatte seinen für Montag und Dienstag geplanten Deutschlandbesuch am Sonntagabend kurzfristig abgesagt. Eine knapp zweiwöchige Offensive der Regierungstruppen in den nordöstlichen Kurdengebieten war am Sonntagabend mit der Unterzeichnung eines Waffenstillstandsabkommens geendet, wie al-Scharaa mitteilte, nachdem sich Kämpfer der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) aus weiten Gebieten zurückgezogen hatten. Merz bekräftigte am Montag, dass die Einladung an al-Scharaa nach Deutschland bestehen bleibe.


