Berlin (epd). Superreiche haben laut Oxfam im vergangenen Jahr ihr Vermögen besonders stark vermehrt: um 2,5 Billionen US-Dollar. Dabei schlage sich die Wirtschaftsmacht der Milliardärinnen und Milliardäre immer deutlicher in politischer Macht nieder und höhle die Demokratie aus, warnt die Entwicklungs- und Hilfsorganisation in ihrem diesjährigen Ungleichheitsbericht. Und während der Reichtum einiger weniger extrem wachse, lebe fast die Hälfte der Menschheit in Armut.
„Superreiche stützen ihre politische Macht durch finanzielle Einflussnahme auf Politik, Eigentum und Kontrolle von Medien und direkten Zugang zu politischen Ämtern“, betonte Oxfam in dem am Montag veröffentlichten Bericht. „Das gefährdet die Demokratie.“ Am Beispiel der USA sei zu sehen, wie sich die Wirtschaftsmacht zunehmend deutlich in politischer Macht niederschlage, erklärte Charlotte Becker, Vorständin von Oxfam Deutschland. Dabei konzentriere sich der Reichtum an der Spitze zuletzt „in noch nie dagewesenem Tempo“.
Vermögen vermehrt sich schneller als früher
Mit einem Zuwachs von 2,5 Billionen US-Dollar erreichte das Vermögen von Milliardärinnen und Milliardären laut dem Bericht „Resisting the Rule of the Rich“ (etwa: „Sich der Herrschaft der Reichen entgegenstellen“) im Jahr 2025 einen Rekordwert von 18,3 Billionen US-Dollar. Damit habe es dreimal so schnell zugenommen wie im Durchschnitt der fünf Jahre zuvor. Allein der Anstieg nur im Jahr 2025 entspreche fast dem gesamten Vermögen der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung.
Insgesamt stieg das Vermögen der Milliardäre und Milliardärinnen laut Oxfam-Zahlen seit 2020 inflationsbereinigt um mehr als 80 Prozent. In vier Sekunden verdiene Elon Musk, der reichste Mann der Welt, so viel wie ein Mensch im weltweiten Durchschnitt in einem Jahr.
172 Milliardärinnen und Milliardäre in Deutschland
In Deutschland stieg die Zahl der Milliardäre und Milliardärinnen dem Oxfam-Bericht zufolge um ein Drittel auf 172. Im Durchschnitt verdienten diese Superreichen in weniger als eineinhalb Stunden das durchschnittliche Jahreseinkommen in Deutschland, hieß es weiter. Immer mehr Milliardärinnen und Milliardäre auf der einen und sich verfestigende Armut auf der anderen Seite seien auch hier ein Nährboden für antidemokratische Kräfte, warnte Manuel Schmitt, Referent für soziale Ungleichheit. Die Bundesregierung müsse entschieden entgegensteuern.
Bundesentwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD) sprach mit Blick auf die von Oxfam vorgelegten Zahlen von einem „erschreckenden Rückschritt“. Der Bericht zeige eine gefährliche Entwicklung: „Wer extrem reich ist, hat immer häufiger auch große politische Macht“, erklärte Alabali Radovan. Das erinnere „an die Ständegesellschaft früherer Zeiten, in der nur die Vermögenden das Sagen hatten“. Heute müsse gelten, dass jeder Mensch gleiche Rechte und die gleiche Chance habe, gehört zu werden. „Diese demokratische Errungenschaft müssen wir mit aller Kraft verteidigen“, bekräftigte die Ministerin.
Der finanzpolitische Sprecher der Linksfraktion im Bundestag, Christian Görke, forderte die Wiedereinführung der Vermögensteuer in Deutschland. „Diese obszöne Ungleichheit gefährdet den sozialen Frieden und tritt unsere Verfassung mit Füßen“, erklärte er.


