Schlösserstiftung macht "Kunst und Politik" zum Jahresthema

Schlösserstiftung macht "Kunst und Politik" zum Jahresthema
Die Schlösser der einstigen preußischen Monarchen waren und sind auch Orte der Kunst. In Berlin und Brandenburg wird die Verbindung von Politik und Kunst deshalb in diesem Jahr an verschiedenen Orten besonders in den Blick genommen.
18.01.2026
epd
epd-Gespräch: Yvonne Jennerjahn

Potsdam (epd). Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten widmet sich 2026 dem Jahresthema „Kunst und Politik“. Anlass sei die Eröffnung einer neuen Dauerausstellung im Schloss Schönhausen in Berlin, sagte Generaldirektor Christoph Martin Vogtherr dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Potsdam: „Das Schloss war in der NS-Zeit eine Lagerfläche für Werke der sogenannten 'entarteten Kunst', die von den Nationalsozialisten aus deutschen Museen beschlagnahmt worden waren und ins Ausland verkauft werden sollten.“ Das Thema werde dort künftig als Teil der Schlossgeschichte vorgestellt.

„Sehr viele, sehr berühmte Kunstwerke kamen damals ins Schloss Schönhausen, von Lehmbruck, Chagall, Kirchner, Heckel, Kandinsky und anderen Künstlern“, sagte Vogtherr: „Es war ein Durchgangs- und Verkaufsraum.“ In der Ausstellung solle erzählt werden, was dort passiert sei. „Es gab Besichtigungen durch potenzielle Kunden, vor allem Kunsthändler, die normalerweise für das Ausland kaufen wollten“, sagte Vogtherr: „Eine wichtige Frage wird sein, wer damals eigentlich dabei war, wer die Akteure waren und welche Handlungsspielräume es für sie gab.“

Tausende Kunstwerke

Es gehe dabei um rund 3.700 Kunstwerke, die zwischen 1938 und 1940 im Schloss Schönhausen aufbewahrt worden seien, betonte der Generaldirektor. Dabei handele es sich nicht um Raubkunst. „Im Großen und Ganzen war das staatliches Eigentum“, sagte Vogtherr. Diese Kunstwerke könnten von den betroffenen Museen heute auch nicht durch Klagen wieder zurückgeholt werden, weil sie damals nach juristischen Kriterien rechtmäßig verkauft worden seien.

Auch andere Fragen würden im Themenjahr „Kunst und Politik“ aufgegriffen, sagte der Generaldirektor: „Im Neuen Palais im Park Sanssouci wird es um die Selbstdarstellung von Friedrich dem Großen gehen und um die Kaiserzeit, im Schloss Paretz stellen wir die Begegnung von Napoleon und Königin Luise von Preußen 1807 in den Mittelpunkt.“

Exil-Literatur von heute

„Wir werden auch in die zeitgenössische Situation hineingehen und haben die Initiative 'Weiter schreiben' eingeladen“, sagte Vogtherr: „Das sind Schriftstellerinnen und Schriftsteller in der Emigration, die zu Hause nicht schreiben können und in Berlin Zuflucht gefunden haben.“ So werde die Situation der in der NS-Zeit diffamierten Künstlerinnen und Künstler in der Gegenwart gespiegelt. In Rheinsberg werde in diesem Jahr zudem Prinz Heinrich von Preußen anlässlich seines 300. Geburtstags am 18. Januar ein besonders regionales Programm gewidmet.