Analyse: Sozial- und Kulturpässe oft nur begrenzt wirksam

Analyse: Sozial- und Kulturpässe oft nur begrenzt wirksam
Kulturpässe mit Vergünstigungen für arme Menschen können einer Analyse zufolge eine "Schlüsselrolle" einnehmen, wenn es um Teilhabe an der Gesellschaft geht. Aktuelle Angebote seien allerdings oft nur begrenzt wirksam, ergab eine Studie aus NRW.

Essen (epd). Sozial- und Kulturpässe können helfen, armutsbetroffene Menschen stärker in die Gesellschaft einzubinden. Solche Pässe für Vergünstigungen etwa in Bädern, Kulturstätten und dem öffentlichen Nahverkehr hätten das Potenzial, „eine Schlüsselrolle für gesellschaftliche Teilhabe zu spielen“, heißt es in einer am Donnerstag veröffentlichten Studie der Universität Duisburg-Essen. Allerdings seien solche Angebote bislang häufig nur begrenzt wirksam.

Je nach Kommune unterschieden sich die Pässe erheblich, erklärte die Hochschule. Manche Städte vergünstigten nur wenige kulturelle Angebote und fassten den Kreis der Berechtigten sehr eng. Andere böten ein breiteres Spektrum, das auch verbilligte Nahverkehrstickets einschließt. Ohne diese könnten viele armutsbetroffene Menschen gar nicht erst an kulturellen oder sozialen Angeboten teilnehmen. Studienautor Christian Gräfe vom Institut für Soziale Arbeit und Sozialpolitik betonte, häufig seien selbst stark rabattierte Tickets noch zu teuer. „Wer sie nutzt, plant lange im Voraus und schränkt sich an anderer Stelle noch stärker ein als ohnehin.“

Scham und Unklarheiten stehen Nutzung im Weg

Studienautor Holger Schoneville verwies zudem auf die Bedeutung von Scham und Stigmatisierung. Viele Betroffene erlebten das Vorzeigen des Passes oder Unklarheiten über Voraussetzungen der Vergünstigungen als demütigend und mieden die Angebote deshalb. Allgemeine Informationen zu den Pässen werden der Untersuchung zufolge oft nur lückenhaft verbreitet und Beratungsangebote fehlten. Mit politischer Unterstützung sowie klaren Informationen und bezahlbarer Mobilität könnten die Pässe helfen, Ungleichheiten abzubauen.

Für die Analyse im Auftrag des NRW-Sozialministeriums wurden laut Universität von August bis Dezember 2025 alle kommunalen Sozial- und Kulturpässe in NRW systematisch erfasst. Zudem seien in mehreren Städten Interviews mit Nutzerinnen und Nutzern sowie mit Fachpersonal aus Sozialämtern und den Servicestellen für die Kultur- und Sozialpässe geführt worden.