Gießen (epd). Der Gießener Oberbürgermeister Frank-Tilo Becher (SPD) und die regionale Polizeiführung, darunter Polizeipräsident Torsten Krückemeier, haben am Donnerstag die jüdische Gemeinde besucht. Nach der Brandstiftung durch einen mutmaßlich psychisch kranken 32-Jährigen am Dienstagabend wollten sie ihre enge Verbundenheit zum Ausdruck bringen, teilten die Stadt und das Polizeipräsidium Mittelhessen mit. Aufgrund des Einschreitens eines Passanten konnte das Feuer der brennenden Papiercontainer vor dem Eingangsbereich der Synagoge schnell gelöscht werden, der Tatverdächtige wurde in ein psychiatrisches Krankenhaus gebracht.
„Es ist schwer, sich die Angst und die Verzweiflung vorzustellen, die so ein Angriff auf unsere Synagoge bei den Bewohnern des Hauses ausgelöst hat“, sagte der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, Dow Aviv. Aviv bedankte sich bei den helfenden Passanten, der Polizei und der Feuerwehr. „Antisemitismus ist kein Problem der Juden“, unterstrich der Vorsitzende. „Es ist ein Problem der Gesamtgesellschaft. Ein Angriff auf Juden ist ein Angriff auf unsere Demokratie.“
Dank an helfende Passanten
„In solchen Momenten, in denen der Schock über das Geschehen und das Gefühl der Verwundbarkeit besonders die Mitglieder in der jüdischen Gemeinde in Schrecken versetzt hat, ist eines besonders wichtig: Wir als Stadtgesellschaft wollen zeigen, dass wir beieinanderstehen“, sagte Oberbürgermeister Becher. Dass Unbeteiligte couragiert eingegriffen haben, erfülle ihn mit Hoffnung und Dankbarkeit.
Der Vorfall mache deutlich, wie wichtig die Stärkung der Demokratie ist, sagte Polizeipräsident Krückemeier. „Mit Hoffnung hat mich derweil erfüllt, dass offenbar zwei Zeugen Zivilcourage bewiesen, einschritten und der Polizei die schnelle Festnahme des Tatverdächtigen ermöglichten“, fügte er hinzu.


