Saarbrücken (epd). Mit Blick auf demokratiefeindliche Tendenzen haben Kulturschaffende und die saarländische Kulturministerin Christine Streichert-Clivot (SPD) die Bedeutung von kulturellen Angeboten betont. „Wir müssen die Barrieren in den Köpfen der Menschen abbauen“, sagte Streichert-Clivot am Samstagabend in Saarbrücken. Es sei nicht alleinige Aufgabe, aber eine Aufgabe der Kultur, die Demokratie zu verteidigen.
Eine wichtige Rolle komme auch der Schule zu, um Kinder gerade aus kulturfernen Familien an die Einrichtungen wie Theater und Museen heranzuführen, sagte die Kulturministerin im Vorfeld des diesjährigen Filmfestivals Max-Ophüls-Preis bei einer Veranstaltung mit dem Titel „Offen bleiben! - Wie Kulturräume Demokratie verteidigen“. Streichert-Clivot plädierte dafür, die Förderung der Kultur als Pflichtaufgabe des Staates im Grundgesetz festzuschreiben.
Demokratie liefert keine „einfachen Antworten“
Der Chefdramaturg am Staatstheater Saarland, Ulf Schmidt, erklärte, die Schwierigkeit der Demokratie sei es, dass sie im Gegensatz zu Populisten keine einfachen Antworten auf die Fragen der Zeit geben könne. Das Erstarken von rechtsextremen Parteien sei auch Ausdruck der Unzufriedenheit vieler mit der etablierten Politik. Demokratie lebe jedoch auch davon, dass Menschen unzufrieden seien.
Die Dramaturgin Mirka Borchardt verwies auf Beispiele von Theatergruppen aus ostdeutschen Bundesländern, bei denen Bürger mit Ansichten, die denen der Theaterleute widersprächen, in Theaterprojekte einbezogen würden. Kultur könne jedoch die Politik nicht ersetzen, erklärte Borchardt, die auch Vorsitzende des Netzwerks Freie Szene Saar ist.
Festival: Räume offen halten und Dialog ermöglichen
Die künstlerische Leiterin des Film-Festivals, Svenja Böttger, hatte zuvor betont, dass Kulturinstitutionen gemeinsam Verantwortung dafür tragen würden, „Räume offen zu halten, Dialog zu ermöglichen und demokratische Werte zu stärken“. Gerade angesichts zunehmender populistischer Tendenzen und einer Polarisierung kultureller Debatten sei es wichtig, spartenübergreifend zusammenzuarbeiten und voneinander zu lernen.
Das 47. Filmfestival Max Ophüls Preis präsentiert vom 19. bis zum 25. Januar insgesamt rund 140 Filme. 57 Filme laufen den Angaben zufolge in den Wettbewerben, elf Streifen konkurrieren im Wettbewerb Spielfilm um den mit 36.000 Euro dotierten Hauptpreis.


