Bischof begegnet neuen Bestattungsformen mit Kritik und Gelassenheit

Bischof begegnet neuen Bestattungsformen mit Kritik und Gelassenheit
In der katholischen Kirche waren Bedenken gegen die Liberalisierung des Bestattungsrechts in Rheinland-Pfalz besonders groß. Der Mainzer Bischof Kohlgraf sieht sie kritisch, plädiert aber trotzdem für einen "menschennahen Umgang" der Kirche damit.

Freiburg, Mainz (epd). Nach der umfassenden Liberalisierung des Bestattungsrechts in Rheinland-Pfalz hat der katholische Mainzer Bischof Peter Kohlgraf dazu aufgerufen, den neuen Bestattungsformen „sowohl gelassen als auch kritisch“ zu begegnen. Im Zentrum der kirchlichen Arbeit müsse ein „menschennaher“ Umgang mit Verstorbenen und den Hinterbliebenen stehen, schreibt er in einem Beitrag für die katholische Wochenzeitung „Christ in der Gegenwart“ (Sonntag).

„Bestattungsformen haben sich immer verändert, und es ist meiner Meinung nach nur natürlich, dass die Politik auf die sich verändernden Einstellungen der Menschen reagiert“, heißt es in dem Text, der dem Evangelischen Pressedienst (epd) vorab zur Verfügung gestellt wurde. In Rheinland-Pfalz ist seit einer Gesetzesänderung im vergangenen Herbst unter anderem die private Aufbewahrung von Urnen gestattet. Die Ausstreuung von Totenasche auf privaten Grundstücken ist nun ebenso zulässig wie deren Verarbeitung zu einem Schmuckstück oder eine Flussbestattung in Rhein, Mosel, Saar oder Lahn.

Auch Katholiken werden neue Bestattungsformen wählen

„Im Jahr 2016 hat die Glaubenskongregation in Rom die private Aufbewahrung der Asche in einer Wohnung, das Verstreuen in der Luft, an Land oder im Wasser sowie das Erstellen von Erinnerungsstücken verboten“, gibt Kohlgraf in dem Text zu bedenken. „Allerdings werden sich auch Menschen katholischen Glaubens für derartige Formen entscheiden.“ Auch bei anonymen Beerdigungen sei es richtig, wenn Seelsorger persönlich anwesend seien und ein Gebet sprächen.

Kohlgraf sprach sich zugleich grundsätzlich gegen die neu zugelassenen Bestattungsformen aus. Er warnte davor, dass die neu erlaubten, kostengünstigen Bestattungsformen dazu führen, dass insbesondere arme Menschen in Vergessenheit geraten, weil „für sie wohl die billigsten und damit anonymen Formen gewählt würden“. Aus christlicher Sicht sei das Gedenken auch Ausdruck der Würde eines Menschen über den Tod hinaus.