Verbände: Obdachlose brauchen mehr warme Unterkünfte

Verbände: Obdachlose brauchen mehr warme Unterkünfte
Die aktuelle Kältewelle bedroht obdachlose Menschen existenziell. Sozialverbände rufen Kommunen und Länder zu Hilfe auf. Auch konkrete Vorschläge haben sie parat, etwa U-Bahnstationen zu öffnen, Hotelzimmer anzumieten und Schlafsäcke zu spenden.

Berlin (epd). Angesichts von eisigen Temperaturen und drohenden Winterstürmen warnen Sozialverbände vor dem Kältetod obdachloser Menschen. „Für Menschen, die auf der Straße leben, wird es mitunter lebensgefährlich“, sagte Elke Ronneberger, Vorständin Sozialpolitik der Diakonie Deutschland: „Umso wichtiger ist es, dass es ausreichend Übernachtungs- und Aufenthaltsplätze gibt, die Schutz vor Kälte bieten.“ Städte und Gemeinden seien gefordert, mehr warme Orte bereitzustellen und zu finanzieren.

Doch auch jeder und jede Einzelne könne Menschen auf der Straße durch Spenden helfen, sagte die Vorständin dem Evangelischen Pressedienst (epd): „Viele Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe benötigen in der aktuellen Situation Schlafsäcke und warme Kleidung, um sie obdachlosen Menschen zu geben.“ Es lohne sich, vor Ort zu fragen, was gerade benötigt werde.

Bundesweit leben schätzungsweise 56.000 Menschen auf der Straße

Susanne Hahmann, die Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe, sieht die Kommunen in der Pflicht, umfassenden Schutz zu gewährleisten. Jeder und jede Wohnungslose habe ein gesetzliches Recht auf Unterbringung. Nach ihren Angaben leben bundesweit rund 56.000 Menschen ohne Unterkunft auf der Straße.

Sie sprach sich dafür aus, dass bestehende Notunterkünfte und Tagesaufenthalte rund um die Uhr offen sind. Zugänglich gemacht werden sollten auch U-Bahnstationen und andere öffentliche Einrichtungen, die ausreichend Schutz vor Kälte bieten. Zudem sollten bei Bedarf Hotelzimmer angemietet werden, sagte Hahmann.

Paritätischer mahnt ausreichend Geld für Hilfsangebote an

„Die Kältewelle erfordert sofortiges, koordiniertes Handeln“, sagte Joachim Rock, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes, dem „RedaktionsNetzwerk Deutschland“ (Donnerstag). Kommunen und Länder müssten umgehend Notunterkünfte niedrigschwellig zur Verfügung stellen. Zugleich müssten freie Träger ausreichend Geld für ihre Hilfsangebote bekommen, verlangte Rock.

VdK-Präsidentin Verena Bentele betonte ebenfalls im Gespräch mit dem „RedaktionsNetzwerk Deutschland“ (Donnerstag), Wohnungslosigkeit und soziale Not entstünden nicht erst im Winter. Die von der Bundesregierung geplante Grundsicherung spitze die Lage für Bedürftige noch zu: „Die vorgeschlagenen strikten Beschränkungen bei der Übernahme von Wohnkosten durch das Jobcenter und die Möglichkeit, die Kosten der Unterkunft bei Sanktionen komplett zu streichen, werden die Situation noch verschärfen.“

AWO: „Ergebnis politischer Untätigkeit“

Das sieht auch die Arbeiterwohlfahrt (AWO) so. „Dass immer mehr Menschen vor dem Risiko stehen, sich auf der Straße in der Kälte wiederzufinden, ist das Ergebnis politischer Untätigkeit“, kritisierte Präsident Michael Groß. Die Bundesregierung habe sich vorgenommen, Obdachlosigkeit bis 2030 zu beenden. „Doch von diesem Ziel sind wir weit entfernt.“ Gleichzeitig werde Wohnraum immer knapper, und die Verschärfungen in der künftigen Grundsicherung könnten weitere Menschen ihre Wohnung kosten, warnte Groß. „Solche Entwicklungen und Sanktionen, die in die Obdachlosigkeit führen können, lehnen wir ganz deutlich ab“, sagte er dem epd.

Die Berliner Stadtmission appellierte an die Bürgerinnen und Bürger, auf hilfsbedürftige Personen in Straßen und Parks zu achten. Aktuell gebe es etwas mehr als 1.100 Notübernachtungsplätze in der Stadt, sagte Sprecherin Barbara Breuer am Donnerstag im RBB-Hörfunkprogramm Radioeins. Bei geschätzt rund 6.000 obdachlosen Personen in der Hauptstadt könne nicht jeder ein warmes und sicheres Bett für die Nacht bekommen: „Darum sind alle aufgefordert, aufzupassen und mitzugucken“, sagte Breuer.