Papst Leo hat das Heilige Jahr beendet

Papst Leo hat das Heilige Jahr beendet
Papst Leo XIV. hat am Dienstag die Heilige Pforte zum Petersdom geschlossen und damit das katholische Heilige Jahr der Hoffnung offiziell beendet. In seinen Ansprachen stellte er kritische Fragen an die Kirche und die Gesellschaft.
06.01.2026
epd
Von Almut Siefert (epd)

Rom (epd). Papst Leo XIV. hat zum Ende des Heiligen Jahres kritische Fragen an die Kirche gestellt. „Millionen von Menschen haben die Schwelle der Kirche überschritten“, sagte er am Dienstag in seiner Predigt zum 6. Januar, dem Hochfest der Erscheinung des Herrn. „Was haben Sie gefunden? Gibt es Leben in unserer Kirche?“, fragte der Papst.

Vor der Messe im Petersdom hatte Leo die Heilige Pforte zu der Basilika geschlossen und damit das Heilige Jahr der katholischen Kirche offiziell beendet. Eröffnet hatte dieses noch Leos Vorgänger Papst Franziskus am Heiligabend 2024. In den kommenden Tagen wird die Heilige Pforte zum Petersdom wieder zugemauert.

Kritik am Konsumverhalten

Leo kritisierte in seiner Predigt auch den Fokus auf Konsum in der heutigen Gesellschaft. Eine entstellte Wirtschaft versuche, aus allem Profit zu schlagen. „Der Markt macht sogar aus dem menschlichen Verlangen zu suchen, zu reisen, neu anzufangen ein Geschäft“, sagte der Papst und stellte erneut eine Frage in den Raum: „Hat uns das Heilige Jahr gelehrt, jener Art von Effizienz zu entfliehen, die alles auf ein Produkt und den Menschen auf einen Konsumenten reduziert?“ Er rief die Gläubigen dazu auf, auch weiter „Pilger der Hoffnung“ zu sein.

Vor dem Angelusgebet, das der Papst am Dienstagmittag zum Anlass des Hochfestes der Erscheinung von der Loggia des Petersdoms aus sprach, sagte Leo, das Heilige Jahr habe die Menschen an eine auf Selbstlosigkeit basierende Gerechtigkeit erinnert. „Es enthält schon in sich den Aufruf, das Zusammenleben neu zu gestalten, das Land und die Ressourcen wieder neu zuzuteilen“, sagte der Papst.

Laut Vatikan waren im Heiligen Jahr rund 33,5 Millionen Pilger nach Rom gekommen, um eine der nur zu diesem Anlass geöffneten Heiligen Pforten der vier Papstbasiliken zu durchschreiten. Wer dies in der rechten inneren Haltung tut, soll einen vollkommenen Ablass erlangen, was als Zeichen der Barmherzigkeit Gottes verstanden wird. Der feierlichen Zeremonie zur Schließung der Heiligen Pforte zum Petersdom und der anschließenden Messe wohnten auch der italienische Staatspräsident Sergio Mattarella und andere Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft bei.

Nächstes Heiliges Jahr 2033

Auch in seiner Ansprache kurz vor der Schließung der Heiligen Pforte war Papst Leo auf die vielen Gläubigen eingegangen, die diese im vergangenen Jahr durchschritten haben. Dies hätten sie getan „in der Gewissheit, dass der gute Hirte die Tür seines Herzens immer offen hält, um uns aufzunehmen, wann immer wir uns müde und bedrückt fühlen.“ Bevor er die Pforte zuzog, kniete Papst Leo vor dieser nieder und verharrte im stillen Gebet.

Die Tradition der Jubiläen, wie die Heiligen Jahre auch genannt werden, reicht bis ins Mittelalter zurück. Seit 1450 findet sie - mit wenigen Unterbrechungen - alle 25 Jahre statt. Es gibt aber auch außerordentliche Jubiläen. 2033 will die katholische Kirche erneut ein Heiliges Jahr begehen, 2000 Jahre nach der überlieferten Auferstehung von Jesus Christus.