Ingwer ist Arzneipflanze des Jahres

Ingwer ist Arzneipflanze des Jahres
Schon in der griechisch-römischen Medizin wurde Ingwer erwähnt. Nun hat der Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde ihn zur Arzneipflanze des Jahres gewählt.

Würzburg (epd). Ingwer ist die Arzneipflanze des Jahres 2026. Die Staude aus der Familie der Ingwergewächse sei als Arzneipflanze seit rund 2.000 Jahren durchgehend in Europa nachweisbar, wie der Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde in Würzburg am Montag mitteilte, der die Pflanze gemeinsam mit der Gesellschaft für Phytotherapie ausgezeichnet hatte. Ziel der „Arzneipflanze des Jahres“ ist es, an die Geschichte von Pflanzen in der europäischen Medizin zu erinnern.

Schon in der griechisch-römischen Medizin sei Ingwer als „erwärmend, verdauungsfördernd, milde den Stuhl anregend und magenstärkend“ beschrieben worden, hieß es weiter. Zudem wirke er gegen Verdunkelungen der Pupille und diene als Zusatz in Gegengiften.

Ingwer hilft auch gegen Appetitlosigkeit, Gelenkschmerzen und Erkältungssymptome

Auch in der Klostermedizin des frühen und hohen Mittelalters wurde Ingwer geschätzt: Das „Lorscher Arzneibuch“ (um 800) verlangt Ingwer in etwa zehn Prozent der knapp 500 Rezepturen, etwa gegen Erkrankungen von Leber, Milz und Nieren sowie bei Wechselfieber. Auch Hildegard von Bingen widmete der Pflanze Mitte des 12. Jahrhunderts in ihrer Naturkunde eine ausführliche Betrachtung. Seit dem 19. Jahrhundert ist zudem die Verwendung von Ingwer gegen Reisekrankheit belegt.

In die 2025 aktualisierte Monografie des Ausschusses für pflanzliche Arzneimittel (HMPC) der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) wurden zudem die Indikationen vorübergehende Appetitlosigkeit, Linderung leichter Gelenkschmerzen sowie Linderung von Erkältungssymptomen neu aufgenommen.

Heilpflanze seit Jahrhunderten kultiviert

Ingwer wird den Angaben zufolge seit Jahrhunderten in Südasien kultiviert und heute in zahlreichen tropischen Ländern angebaut. Indien, Nigeria und China zählten zu den Hauptproduzenten. Die Weltjahresproduktion betrage annähernd 5 Millionen Tonnen.

Der an der Uni Würzburg gegründete Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde wählt seit 1999 jedes Jahr eine Arzneipflanze des Jahres.