Frankfurt a.M. (epd). Zum Jahreswechsel haben leitende Geistliche von evangelischer und katholischer Kirche zu Hoffnung und Zuversicht trotz politischer und gesellschaftlicher Krisen aufgerufen. Es gehe darum, mit einem anderen Blick, „mit neuen Augen“, auf die Welt zu schauen, sagte die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Kirsten Fehrs, am Donnerstag in Dresden. Auch der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, warb angesichts von globalen Krisen und Negativschlagzeilen für einen bewussten Perspektivwechsel.
„Unsere Welt wird heller, wenn wir den alltäglichen Abfälligkeiten unsere Mitmenschlichkeit entgegenhalten“, sagte die Hamburger Bischöfin Fehrs im ZDF-Neujahrsgottesdienst in der Dresdner Frauenkirche. Unter Verweis auf die biblische Jahreslosung für 2026, „Siehe, ich mache alles neu“ (Offenbarung 21,5) sagte Fehrs: „Die Spuren des Guten sind doch längst in den Ritzen der Welt zu sehen! Und das Unmögliche wird möglich“. Als Beispiel nannte sie die vor 20 wieder aufgebaute Dresdner Frauenkirche: „Es gibt diese wunderbare Frauenkirche, weil Menschen an ein gutes Ende geglaubt haben - wider allen Augenschein.“ Jahrzehntelang sei die Kirche ein Trümmerhaufen mitten in der Stadt gewesen.
Bätzing: Mehr von guten Nachrichten erzählen
Der Limburger Bischof Bätzing rief angesichts von globalen Krisen und Negativschlagzeilen zu einem bewussten Perspektivwechsel auf. „Fehlt es eigentlich an guten Nachrichten - oder erzählen wir zu wenig davon?“, fragte er in seiner Predigt am Silvesterabend im Frankfurter St.-Bartholomäus-Dom. Hoffnung entsteht laut Bätzing dort, wo Menschen Verantwortung übernehmen und auf die Gnade Gottes vertrauen.
Bätzing griff die Erfahrung vieler Menschen auf, die sich von der täglichen Nachrichtenlage überfordert fühlen. Viele schauten keine Nachrichten mehr, nicht aus Desinteresse, sondern weil es sie zu traurig mache. Gerade deshalb brauche es Erzählungen, die Mut machen. Integration gelinge, wenn Menschen füreinander einstehen. Bätzing thematisierte auch den Medienkonsum in einer digital geprägten Welt. Unkontrollierte Mediennutzung könne insbesondere für Kinder und Jugendliche eine Gefahr darstellen.
Marx geht mit Sorgen in die Zukunft
Der Münchner Erzbischof Reinhard Marx räumte ein, er selbst gehe mit großen Sorgen in die Zukunft. Er habe aber weiter die Hoffnung, dass die Kirche für die Welt etwas erreichen könne. „Wir gehen in ein Jahr voller Fragezeichen, aber an der Seite Jesu“, sagte der Kardinal an Silvester in der Kirche St. Michael in München. „Wir erleben heute wahrscheinlich einen Epochenwandel, der tiefer geht, als wir heute sehen.“
Zugleich sei seine Hoffnung ungebrochen, dass die Kirche etwas erreichen und etwas tun könne. „Ich glaube an den Weg der Erneuerung, wir können eine missionarische Kirche sein, weil die Welt dieses Zeugnis braucht.“ Als Beispiel führt er den Tod von Papst Franziskus im April 2025 an: Dies sei zwar ein trauriges Ereignis gewesen, habe aber die Welt geeint.
Springhart: Chance für einen neuen Anfang
Die badische Landesbischöfin Heike Springhart betonte in ihrer Neujahrsbotschaft die Hoffnung auf einen Richtungswechsel: „Wir leben in einer Welt, die nach Frieden lechzt, in der es Ungerechtigkeit und Betrug gibt, in einer Welt, in der das große Kräftemessen oft die vergisst, die den Preis dafür zahlen“, erklärte die Theologin. Die Jahreslosung für 2026, „Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!“, sei für sie daher eine ermutigende Verheißung. „Es gibt die Chance auf einen neuen Anfang. Im Großen und in den persönlichen Beziehungen“, sagte Springhart.
Auch der bayerische Landesbischof Christian Kopp erinnerte in seiner Neujahrspredigt an die Macht der Erneuerung. Der christliche Glaube sei ein Glaube an die Erneuerung, an ein „Refreshment“. „Überall lauern Wege und Lösungen. Menschen leben nach vorn, in die Zukunft. Die entscheidende Frage ist immer, wofür stehe ich heute auf? Wofür mache ich etwas?“, sagte der Bischof in der evangelischen Matthäuskirche in München laut Manuskript.

