Zahl der Gewebespenden in Deutschland auf Höchststand gestiegen

Zahl der Gewebespenden in Deutschland auf Höchststand gestiegen
Viele Patienten mit neuer Augenhornhaut
Durch eine Transplantation von Gewebespenden können Patientinnen und Patienten neue Lebensqualität bekommen und etwa ihr Augenlicht wiedererlangen. Bundesweit wurde 2025 so viel Gewebe gespendet wie noch nie - dennoch besteht weiterhin ein Mangel.
01.01.2026
epd
Von Michael Grau (epd)

Hannover (epd). Die Zahl der medizinischen Gewebespenden in Deutschland ist auf einen neuen Höchststand gestiegen. Das am meisten gespendete Gewebe war im vergangenen Jahr mit großem Abstand erneut die Augenhornhaut, wie die Deutsche Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG) am Neujahrstag in Hannover mitteilte. Dieses Gewebe wurde 4.070 Menschen nach ihrem Tod entnommen, um es anderen Menschen einsetzen zu können. Hinzu kamen Herzklappen oder Blutgefäße sowie Knochen, Sehnen oder Bänder. Dennoch bestehe weiterhin ein Mangel an Geweben, vor allem bei den Herzklappen.

„Insgesamt blicken wir voller Dankbarkeit auf ein sehr spendenstarkes Jahr 2025“, sagte DGFG-Geschäftsführer Martin Börgel. Immer mehr Kliniken integrierten die Gewebespende in ihr Selbstverständnis. So konnten die Transplanteure den Angaben zufolge insgesamt 9.640 Patientinnen und Patienten mit einem Gewebetransplantat aus dem Netzwerk der DGFG versorgen - eine Steigerung um 15,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr und ein neuer Rekordwert. Unter anderem konnten 6.370 in der Gewebebank aufbereitete Transplantate mit Augenhornhaut an Augenkliniken vermittelt werden. Zahlreiche Patientinnen und Patienten konnten so ihr Augenlicht erhalten oder wiedererlangen.

Zustimmungsquote leicht gesunken

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 4.188 Gewebespenden mit 8.837 einzelnen Geweben ausgeführt - ein Anstieg um 11,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr, als 3.697 Verstorbenen Gewebe entnommen wurde. Mehr als 88 Prozent der Spenden wurden wie im Vorjahr nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand verwirklicht. Ein kleinerer Anteil kam nach einem Hirntod oder als Lebensspende zustande. Es gab mehr als 12.000 Aufklärungsgespräche mit An- oder Zugehörigen, diese stimmten in 4.585 Fällen einer Entnahme von Gewebe zu. Die Zustimmungsquote lag bei 37,9 Prozent und sank damit leicht um 0,2 Prozent. Dennoch gingen mehr als 60.000 Spendermeldungen aus 320 Einrichtungen ein - ebenfalls ein neuer Rekord.

Die Zahl der gespendeten Herzklappen stieg um 18,3 Prozent auf 472. Zum allergrößten Teil wurden sie im Zuge einer Organspende entnommen, wenn das gesamte Herz für eine Organtransplantation medizinisch nicht infrage kam. Dennoch habe die DGFG den Angaben zufolge nur weniger als die Hälfte der Anfragen bedienen können, hieß es. Im Unterschied zur Organspende ist die Gewebespende zumeist nicht an die Feststellung des Hirntods gebunden. So ist die Entnahme von Augenhornhaut noch bis zu 72 Stunden nach dem Eintritt des Todes möglich.

Gewebe kann auch im hohen Alter gespendet werden

Die meisten Gewebespender waren zwischen 65 und 74 Jahre alt. Die zweitgrößte Gruppe war 75 Jahre oder älter. Nur 423 Spenderinnen und Spender waren zwischen 16 und 54 Jahre alt. „Viele Menschen kennen die Option einer Spende bis ins hohe Alter und nach Herz-Kreislauf-Versterben nicht“, sagte Börgel. Deshalb wolle die DGFG die Gewebespende bekannter machen.