Bischof Bätzing: Echter Friede im Heiligen Land weit entfernt

Bischof Bätzing: Echter Friede im Heiligen Land weit entfernt
Nach seiner Reise ins Heilige Land zieht der Bischofskonferenz-Vorsitzende Georg Bätzing eine gemischte Bilanz. Er berichtet von einer desolaten Lage im Gazastreifen und Abwanderung christlicher Familien - sieht aber auch einen "Funken Hoffnung".
30.12.2025
epd
epd-Gespräch: Stephan Cezanne (epd)

Frankfurt a.M., Jerusalem (epd). Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, hat nach einer viertägigen Solidaritätsreise ins Heilige Land eine ernüchternde Bilanz gezogen. Echter Friede scheine in der Region „weiter entfernt denn je“, erklärte der Limburger Bischof in Jerusalem nach zahlreichen Begegnungen mit Israelis und Palästinensern. Dem Evangelischen Pressedienst (epd) sagte er telefonisch: „Hoffnung ist ein schwieriger Begriff.“ Vieles sehe sehr aussichtslos aus, so Bätzing nach Besuchen in Jerusalem, Tel Aviv und Bethlehem rund zwei Monate nach dem Inkrafttreten der Waffenruhe zwischen Israel und der Terrororganisation Hamas.

Es seien vor allem die Menschen, die ihn berührt hätten, fügte Bätzing hinzu: „Auf der einen Seite Israelis, die wirklich stolz sind auf das Land, das sie aufgebaut haben, für das sie sich ein Leben lang engagieren und dessen Freiheit sie sichern wollen.“ Auf der anderen Seite sehe er die Resilienz von Palästinensern, „die so viele Restriktionen erfahren und trotzdem versuchen, ihr Leben in die Hand zu nehmen.“ Bätzing verwies vor allem auf die Menschen in den Nichtregierungsorganisationen (NGO) von beiden Seiten. Diese versuchten in „dieser so vertrackten, schwierigen, ja fast aussichtslosen Situation, Leute zusammenzuführen im Projekt des Friedens“.

„Ein Funke Hoffnung“

Seine Delegation habe „sehr kritische Stimmen gehört gegenüber der Regierung und ihrer Politik, die nicht auf Entspannung aus ist, sondern eindeutige Zeichen setzt, dass man alleine Israel und keinen Staat für die Palästinenser will“. Viele schauten auf die Wahlen im nächsten Jahr, da „ist ein Funke Hoffnung“, sagte Bätzing: „Nicht, dass sich die politische Lage insgesamt ganz verändert, dass von diesen extremistischen Parteien ein Stück Abstand genommen wird und dadurch Realismus einkehrt.“ Die Menschen in der Region müssten ja zusammenleben.

Bätzing würdigte den Einsatz der Christen etwa in den Hilfsprojekten. Allerdings versuchten viele Christen eine Perspektive außerhalb zu gewinnen: „Die sind gut gebildet, die haben Verbindungen nach Europa oder auch Übersee, Lateinamerika und Amerika. Also das heißt, viele gehen weg.“ Aber andere Christen im Heiligen Land sagten voller Überzeugung: „Wir bleiben hier. Wir haben das Recht, hier zu sein. Wir wollen eine Präsenz. Wir wollen keine Situation, wo Christinnen und Christen irgendwann einfach nur noch Besucher oder Pilger im Heiligen Land sind.“