Göttingen, Hannover (epd). Im Fall des im Bahnhof Friedland getöteten 16-jährigen Mädchens ist am Freitag ein 31-jähriger irakischer Staatsbürger festgenommen worden. Der Mann sei dringend verdächtig, das Mädchen am 11. August vorsätzlich gegen einen mit circa hundert Kilometern pro Stunde durch den Bahnhof fahrenden Güterzug gestoßen und dadurch getötet zu haben, teilte die Staatsanwaltschaft Göttingen mit. Demnach haben DNA-Spuren an der rechten Schulter des Opfers zur Festnahme geführt.
Der Verdächtige ist seit dem Tag der Tat in einer psychiatrischen Einrichtung in Göttingen untergebracht. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hat der Ermittlungsrichter einen Unterbringungsbefehl wegen des dringenden Verdachts des Totschlags erlassen. Es bestehe der Haftgrund der Fluchtgefahr.
Bereits kurz vor der Tat war die Polizei den Angaben zufolge mit dem Hinweis zum Bahnhof gerufen worden, dass dort eine männliche Person randaliere. Der 31-Jährige habe die Beamten zum Bahnsteig geführt, auf dem der Leichnam der 16-Jährigen lag. Die Tat habe er zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht eingeräumt. Ein Alkoholtest habe damals eine erhebliche Atemalkoholkonzentration ergeben. Weil sich der Mann wenig später in der Landesaufnahmebehörde in Friedland aggressiv verhielt, sei er in die Psychiatrie verbracht worden.
Der Asylantrag des Beschuldigten war laut Staatsanwaltschaft im Dezember 2022 abgelehnt und die Abschiebung nach Litauen angeordnet worden. Die Klage des Mannes gegen den negativen Asylbescheid sei am 10. Februar 2025 zurückgewiesen worden. Die Abschiebeanordnung nach Litauen sei seit dem 18. März vollstreckbar. Da er eine Geldstrafe nicht bezahlt hatte, verbüßte er laut Mitteilung ab dem 1. Juli eine 20-tägige Ersatzfreiheitsstrafe in Hannover. Während der Haft habe die Ausländerbehörde einen Antrag auf Anordnung der Abschiebehaft gestellt. Diesen habe das Amtsgericht Hannover jedoch am 17. Juli abgelehnt. Zur Begründung habe das Gericht ausgeführt, die Darlegungen der Landesaufnahmebehörde genügten nicht, um den Haftgrund der erheblichen Fluchtgefahr zu begründen.
Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens (SPD) erklärte, ihre Gedanken seien bei den Angehörigen und Freunden des Opfers. Es müsse aufgearbeitet werden, warum eine Überstellung in diesem Fall nicht gelungen sei. Zugleich warnte die SPD-Politikerin davor, „diesen schrecklichen Fall zu missbrauchen, um Fremdenfeindlichkeit und Hass zu schüren“.