Statistik: Fast jede zweite Frau im Beruf arbeitet Teilzeit

Statistik: Fast jede zweite Frau im Beruf arbeitet Teilzeit
49 Prozent der berufstätigen Frauen in Deutschland arbeiten in Teilzeit. Oft unfreiwillig, wie Sozialverbände monieren. Sie beklagen die ungleiche Verteilung unbezahlter Sorgearbeit.

Frankfurt a.M. (epd). Fast die Hälfte der berufstätigen Frauen in Deutschland arbeitet Teilzeit. Der Teilzeitquote von 49 Prozent steht bei den Männern ein Anteil von nur 12 Prozent gegenüber, die nicht Vollzeit tätig sind. 2024 hätten insgesamt 29 Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland in Teilzeit gearbeitet, teilte das Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden mit. Für den Sozialverband VdK hat das strukturelle Gründe, die die Bundesregierung rasch beseitigen müsse.

VdK-Präsidentin Verena Bentele sagte in Berlin, die hohe Teilzeitquote bei Frauen sei Folge "der ungleichen Verteilung unbezahlter Sorgearbeit. Frauen übernähmen nach wie vor den Großteil der Familien- und Pflegearbeit, sei es in Partnerschaften oder als Alleinerziehende. Sie forderte vom Gesetzgeber mehr Anreize für Männer, sich an der unbezahlten Sorgearbeit zu beteiligen, etwa durch zusätzliche Partnermonate beim Elterngeld. Ebenso notwendig sei die Abschaffung des Ehegattensplittings zugunsten eines Besteuerungsmodells für Familien, das keine negativen Erwerbsanreize für Frauen setze.

Die Erwerbstätigenquote der 15- bis 64-Jährigen betrug den Statistikern zufolge im vergangenen Jahr gut 77 Prozent. Bei den Männern lag die Quote mit 81 Prozent rund sieben Prozentpunkte höher als bei den Frauen mit 74 Prozent. Der Abstand zwischen Männern und Frauen hat sich in den vergangenen 20 Jahren deutlich verringert: So stieg die Erwerbstätigenquote von Frauen seit 2005 von gut 59 Prozent um rund 15 Prozentpunkte, während der Anstieg bei den Männern mit knapp 10 Prozentpunkten geringer ausfiel.

Mit dem Anstieg der Erwerbstätigkeit gehe ein Anstieg des Anteils jener einher, die in Teilzeit arbeiten, teilte das Bundesamt mit. In den Jahren von 2005 bis 2024 seien die Teilzeitquoten sowohl bei Frauen (von 43 auf 49 Prozent) als auch bei Männern (von 7 auf 12 Prozent) um rund 5 Prozentpunkte gestiegen.

Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) hatte am Wochenende in der „Bild am Sonntag“ bessere Arbeitsbedingungen für Frauen gefordert, um deren Erwerbstätigkeit zu steigern. „Die Arbeitgeber müssen die Arbeitswelt so gestalten, dass mehr Mütter in Vollzeit arbeiten können“, sagte sie.

Es gebe Frauen, „die unfreiwillig in der Teilzeitfalle sitzen“, sagte Bas. Sie wollten mehr arbeiten, könnten es aber nicht wegen fehlender Kinderbetreuung oder familienfeindlicher Arbeitsmodelle. „Insbesondere Frauen arbeiten dann oft weniger, verdienen schlechter und am Ende droht Altersarmut. Das ist ungerecht, und da müssen wir ran“, kündigte die Ministerin an.

Das sieht auch das „Bündnis Sorgearbeit fair teilen“ so. Es plädierte für familienpolitische Reformen, wie eine Weiterentwicklung des Elterngeldes und flexiblere Freistellungsansprüche für pflegende Angehörige. Das Bündnis von 32 sozialen Organisationen bedauert, „dass sich weitere Maßnahmen, die einen wichtigen Beitrag zur fairen Verteilung von Sorgearbeit leisten könnten, wie beispielsweise die Abschaffung der Lohnsteuerklasse V und die Überwindung des Ehegattensplittings zugunsten der Individualbesteuerung, nicht im Koalitionsvertrag wiederfinden“.