Katholische Bischöfe finden kein Allheilmittel gegen Säkularisierung

Deutsche Bischöfe

Foto: dpa/Armin Weigel

Die deutschen katholischen Bischöfe (hier bei der ihrer Konferenz im Februar) befürchteten schon vor der Bischofssynode eine zentralistische Angleichung innerhalb ihrer Kirche.

Katholische Bischöfe finden kein Allheilmittel gegen Säkularisierung
Drei Wochen versuchten 400 Bischöfe in Rom herauszukriegen, wie man den (katholischen) Glauben wieder weiter verbreiten könnte. Am Ende blieben vor allem Fragen übrig. Als Ursache für den sinkenden Stellenwert von Kirche machte die Bischofssynode vor allem eine feindliche Umwelt aus.

Die Bischofssynode im Vatikan über Neuevangelisierung suchte positive Antworten auf die fortschreitende Säkularisierung der Menschen. Das Thema sei in Deutschland allerdings nicht besonders beliebt gewesen, räumte der Bochumer Theologe Thomas Söding ein. Söding war einer der mehr als 140 internationalen Fachleute und Beobachter der dreiwöchigen Versammlung im Vatikan, die an diesem Sonntag zu Ende geht.

Es habe die Befürchtung gegeben, dass es um eine "Durchformatierung der katholischen Kirche" gehen könnte, um Gleichschritt herzustellen. Zum Abschluss der Synode bilanzierte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, erleichtert, er habe eine "hörende und lernende Kirche" erlebt, die sich den Fragen und Herausforderungen der Gegenwart stelle.

Die Teilnahme des anglikanischen Erzbischofs von Canterbury, Rowan Williams, und des orthodoxen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomäus I., werteten die deutschen Synodenteilnehmer als historisch. Nicht wenige Bischöfe zeichneten ein düsteres Bild von Säkularisierung und Globalisierung. Bei vielen überwog die Tendenz, die Ursachen für den sinkenden Stellenwert der Kirche nicht bei sich selbst, sondern allein in einer feindlichen Umwelt zu suchen.

"Wir müssen uns zunächst selbst bekehren"

Die Beiträge und Vorschläge der knapp 400 Synodenteilnehmer aus aller Welt fügten sich vor der für Sonntag geplanten Abschlussmesse mit dem Papst dennoch zu einen betont positiven Rahmen. Die Notwendigkeit, den Glauben neu zu beleben, sei eine dringliche Aufgabe in allen Weltregionen, nicht nur in den westlichen Gesellschaften, heißt es in ihrer Abschlussbotschaft.

Die deutschen Synodenväter hatten von Anfang an darauf gedrungen, dass Neuevangelisierung nicht nur bedeute, anderen das Evangelium zu verkünden. "Wir müssen zunächst uns selbst bekehren", heißt es knapp drei Wochen später in der Schlussbotschaft.  Selbstkritisch wird darin im Hinblick auf Missbrauchsskandale auch angemerkt, die Schwäche von Priestern habe die Glaubwürdigkeit der Kirche beeinträchtigt.

Zum Abschluss ihrer Beratungen einigten sich die Synodalen offenbar darauf, dass es nicht darum gehen könne, die moderne Welt den Ansprüchen der Kirche anzupassen. Vielmehr müssten Formen und eine Sprache gefunden werden, die, "die den entzauberten Blick der zeitgenössischen Menschheit anziehen".

Erster Anlaufpunkt: Familien und Pfarreien

Familien und Pfarreien sind dabei an erster Stelle zu Neuevangelisierung aufgefordert. Dass viele Katholiken heute als von der Kirche nicht anerkannte wiederverheiratete Geschiedene leben, sehen die Bischöfe als Hindernis für eine Verkündigung an. Gegen langweilige Predigten und gut gemeinte, gleichwohl nicht immer attraktive liturgische Experimente stellt die Synode die besondere Rolle der Sonntagsgottesdienste heraus als "Oasen des Glaubens in den Wüsten des Lebens".

In der Arbeit mit Jugendlichen, Armen, am Arbeitsplatz oder in der Politik geht es den Bischöfen zufolge nicht darum, "neue Strategien" zu erfinden, als sei das Evangelium eine "Ware auf dem Markt der Religionen". Vor allem die Globalisierung ist aus Sicht der Synodenteilnehmer "Gelegenheit für eine breitere Präsenz des Evangeliums". Auch aggressive Formen von Atheismus seien "keine Leere, sondern eine Sehnsucht, die eine angemessene Antwort erfordert."

Die vier deutschen Bischöfe bei der römischen Versammlung ziehen eine positive Bilanz, von dem als progressiv geltenden Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode bis zum Kölner Erzbischof Joachim Meisner. Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst, sieht in den katholischen Weltjugendtagen und dem für 2013 geplanten Eucharistischen Kongress in Köln wichtige Orte zur Evangelisierung. Neben der Gründung eines Päpstlichen Rats für Neuevangelisierung, den Feierlichkeiten zum 50. Jahrestag der Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils und dem soeben eingeläuteten Jahr des Glaubens soll die Synode nach dem Willen von Papst Benedikt XVI. Signale für eine starke Präsenz der katholischen Kirche in der modernen Welt setzen.