NS-Geschichte: Steinmeier spricht von "Wunderwerk der Versöhnung"

NS-Geschichte: Steinmeier spricht von "Wunderwerk der Versöhnung"

Berlin (epd). Vor seiner Reise nach Warschau hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier Dankbarkeit für die Versöhnung zwischen Polen und Israel mit Deutschland nach den Verbrechen der Nationalsozialisten im Zweiten Weltkrieg geäußert. Steinmeier, der am Mittwoch als erster deutscher Repräsentant bei der Gedenkfeier zum Jahrestag des Aufstands im Warschauer Ghetto in der polnischen Hauptstadt eine Rede halten wird, erklärte, die Verbrechen der Deutschen erfüllten ihn mit tiefer Scham. Trotz dieser Gräuel hätten viele der Überlebenden und der nachfolgenden Generationen Deutschland die Hand zur Versöhnung gereicht.

„Dieses Geschenk der Versöhnung ist beinahe genauso unfassbar wie die Gräueltaten einst“, erklärte der Bundespräsident. Es sei für ihn eine besondere Ehre, dass er am historischen Ort des Warschauer Ghettos gemeinsam mit dem polnischen Präsidenten Andrzej Duda und Israels Präsident Isaac Herzog das Wort ergreifen dürfe. „Dass dies überhaupt möglich ist, verdanken wir dem Wunderwerk der Versöhnung zwischen unseren Ländern“, sagte Steinmeier.

Es sei ein Wunderwerk im doppelten Sinn, ergänzte er. Bis heute sei es ein Wunder, „dass Jüdinnen und Juden, Polinnen und Polen uns Deutschen nach den Verbrechen unserer Vorfahren überhaupt die Hand gereicht haben“. Zugleich sei dies das Werk von Generationen, „eine lange und mühevolle politische Arbeit von Israelis, Polen und Deutschen, die nach der furchtbaren Vergangenheit eine gemeinsame Zukunft geplant und errichtet haben“.

Der Aufstand im Warschauer Ghetto, mit dem sich die jüdischen Bewohner 1943 gegen ihre Deportation in Vernichtungslager der Nationalsozialisten zur Wehr setzten, jährt sich in diesem Jahr zum 80. Mal. Steinmeier wird anlässlich des Gedenkens am Mittwoch in Warschau auch Zeitzeugen treffen und an einem Gottesdienst in der Nozyk-Synagoge teilnehmen, die als einziges jüdisches Gotteshaus in Warschau den Zweiten Weltkrieg überstand. Vor der Rückreise nach Berlin will Steinmeier zudem ein Konzert israelischer und polnischer Musikerinnen und Musiker besuchen.