Auszahlung der Corona-Prämien sorgt für Unmut bei Pflegekräften

Auszahlung der Corona-Prämien sorgt für Unmut bei Pflegekräften
Die Corona-Prämien für Pflegekräfte sollten eigentlich die besonderen Leistungen dieser Berufsgruppe in der Pandemie belohnen. Doch die Beschäftigten in Kliniken und Heimen beklagen Willkür und Ungerechtigkeiten bei der Auszahlung der Lohnzuschläge.

Nach den schlechten Erfahrungen mit dem Corona-Bonus im ersten Pandemie-Jahr 2020 beklagen die Pflegekräfte bei der aktuellen Verteilung der Corona-Prämien für das Jahr 2021 Willkür und Ungerechtigkeiten. Die Bundesregierung verfehle ihr Ziel, mit einer Sonderzahlung von einer Milliarde Euro die besondere Belastung der Arbeit mit Covid-Patientinnen und-Patienten zu honorieren, stellte der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) gegenüber dem Evangelischen Pressedienst (epd) fest. Krankenhäuser und Einrichtungen der Altenpflege müssen die Corona-Prämien spätestens mit dem Dezembergehalt auszahlen.

"Der Corona-Bonus erweist sich als intransparent, willkürlich und Belegschaften spaltend", kritisierte der Pflegeverband. Die Kolleginnen und Kollegen erlebten in den Betrieben eine ungerechte Verteilung des Lohnzuschlags, wie "die vielen Rückmeldungen" zeigten.

Die Liste der Beschwerden, die Pflegekräfte ihrem Berufsverband geschickt haben, sei lang. So stoße etwa auf Unverständnis, dass Krankenpflegehelferinnen im Unterschied zu ihren examinierten Kolleginnen keinen Bonus bekommen. "Das wird als ungerecht empfunden, wenn man miteinander und Hand in Hand auf derselben Station gearbeitet hat."

Der DBfK Nordwest berichtet aus dem Klinikalltag über eine weitere negative Erfahrung: "Eine Krankenschwester aus der Notaufnahme wird wegen Personalmangels regelmäßig in die Akutstation beordert und hat dadurch mehr als 185 Tage auf einer bettenführenden Station gearbeitet. Laut Stellenplan gehört sie aber zur Notaufnahme und bekommt deswegen keinen Bonus." Der DBfK bilanziert enttäuscht: "Dieser Bonus ist von einem als wirklich wertschätzend empfundenen 'Wumms' weit entfernt."

Die DGB-Gewerkschaft ver.di hatte schon im Frühjahr 2021 darauf hingewiesen, dass Altenpflegekräfte den Corona-Bonus für das Jahr 2020 nicht bekommen haben. Die Steuerberatungsgesellschaft ETL Advision (Berlin) hatte zuvor in einer Studie festgestellt, dass bundesweit nicht einmal 60 Prozent aller Berechtigten den Pflegebonus von ihren Arbeitgebern bis Ende 2020 erhalten hatten. "Wir bekommen noch heute E-Mails von Beschäftigten, die bis heute keine Prämie erhalten haben und fürchten, dass sie mit der neuerlichen Prämie 2022 wieder leer ausgehen", sagte Matthias Gruß, ver.di-Gewerkschaftssekretär für die Altenpflege, dem epd.

Nach einem Gesetz der Ampel-Koalition soll Pflegekräften in der Altenpflege und in Krankenhäusern für ihre besonderen Leistungen im Corona-Jahr 2021 ein Bonus gezahlt werden. Sie erhalten eine Milliarde Euro aus Bundesmitteln. Die Summe wird zu gleichen Teilen auf die beiden Bereiche verteilt.

Arbeitgeber in der Altenpflege sind verpflichtet, den Pflegekräften den Bonus unverzüglich nach Erhalt der Vorauszahlung von den Pflegekassen zum 30. September 2022, spätestens aber bis zum 31. Dezember 2022 auszuzahlen. In der Altenpflege beträgt der maximale Bonus pro Beschäftigten 550 Euro.

Krankenhäuser sollen den Bonus innerhalb von vier Wochen nach Auszahlung durch den GKV-Spitzenverband auszahlen. Der GKV-Spitzenverband hat die vom Bund bereitgestellten 500 Millionen Euro an alle 837 anspruchsberechtigten Krankenhäuser Anfang Oktober 2022 vollständig weitergeleitet, wie er dem epd mitteilte. Das Bundesgesundheitsministerium rechnet nach eigenen Angaben damit, dass in den Krankenhäusern mehr als 204.000 Pflegefachkräfte und mehr als 25.000 Intensivpflegefachkräfte einen Bonus erhalten.

Die Auszahlung der Prämien für 2021 werde streng geprüft: "Der Gesetzgeber hat vorgesehen, dass Arbeitgeber für den Pflegebonus bis spätestens zum 15. Februar 2023 zusätzlich zu erklären haben, an wie viele Beschäftigte und zu welchem Zeitpunkt die Bonusauszahlungen erfolgt sind", teilte das Ministerium dem epd mit.