UN beklagen humanitäre Lage in Myanmar

UN beklagen humanitäre Lage in Myanmar

Fast zwei Jahre nach dem Militärputsch spitzt sich die humanitäre Lage in Myanmar weiter zu. So gebe es dort mittlerweile mehr als 1,4 Millionen Binnenflüchtlinge, erklärte das UN-Büro für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) am Samstag in Genf. Die meisten davon seien nach dem Umsturz vom 1. Februar 2021 vertrieben worden.

Hinzu kämen mehr als 49.400 Menschen, die in Nachbarländer geflüchtet seien. OCHA beklagte insbesondere die Folgen bewaffneter Kämpfe für die Zivilbevölkerung sowie Zugangsbeschränkungen und Drohungen gegen Beschäftigte von Hilfsorganisationen. Zudem sei zivile Infrastruktur zerstört worden, darunter Zehntausende Häuser, Klöster, Kirchen und Schulen.

Mit dem Putsch ist Myanmar in Chaos und Gewalt versunken. So geht die Militärjunta zunehmend brutal gegen Oppositionelle und Protestierende vor. Unter anderem verhängt sie in geheimen Verfahren Todesurteile vor Militärgerichten. Erst vor wenigen Tagen wurden sieben Studierende in der früheren Hauptstadt Yangon zum Tode verurteilt, die an Protesten gegen das Militärregime teilgenommen hatten. Die UN gehen außerdem Berichten über Todesurteile gegen mindestens vier weitere Personen nach.

Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk, hatte am Freitag kritisiert, die Junta nutze die Todesurteile als "politisches Mittel, um die Opposition zu unterdrücken." Seit Februar vergangenen Jahres wurden den Angaben nach mindestens 139 Menschen zum Tode verurteilt.

Im Juli hatte Myanmars Militärregime erstmals seit Jahrzehnten wieder Todesurteile vollstrecken und vier Dissidenten hinrichten lassen. Die Junta hatte ihnen Terrorismus und Konspiration mit oppositionellen Milizen vorgeworfen. Türk forderte die Aussetzung aller Hinrichtungen und die Rückkehr zu einem Moratorium für die Todesstrafe.

Nach Angaben der myanmarischen Gefangenen-Hilfsorganisation AAPP wurden seit dem Putsch mindestens 2.553 Menschen von den Militärs ermordet. Mehr als 16.500 Personen wurden verhaftet, von denen die meisten weiterhin hinter Gittern sitzen. Viele Gegnerinnen und Gegner des Regimes, vor allem junge Leute, sind in den bewaffneten Widerstand gegangen. Landesweit kämpfen sie als "Volksverteidigungskräfte" teils unabhängig, teils gemeinsam teils mit lang etablierten Rebellenorganisationen gegen Truppen der Militärjunta.