Gefangene sehen Geschenke als Lichtbringer

Der Gang im Zellentrakt der Justizvollzugsanstalt Uelzen ist festlich geschmückt.

© epd-bild/Karen Miether

Auch 2022 sucht die Initiative vom Schwarzen Kreuz Freiwillige, die Päckchen packen, um Gefangenen eine Freude zu machen.

Weihnachten hinter Gittern
Gefangene sehen Geschenke als Lichtbringer
Pakete, die Licht hinter Gitter bringen: So beschreibt Ute Passarge die Wirkung von Weihnachtsgeschenken für Inhaftierte in Justizvollzugsanstalten. Auch in diesem Jahr sucht die Ehrenamtskoordinatorin vom Schwarzen Kreuz Freiwillige, die Menschen in Haft am Heiligen Abend eine Freude machen wollen.

"Aus Briefen wissen wir, dass eine solche Aufmerksamkeit den Menschen hinter Gittern weit mehr bedeutet als bloß ein bisschen Nascherei", erläuterte sie im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) das Engagement der christlichen Straffälligenhilfe mit Sitz in Celle.

Der Grundsatz ihrer überwiegend spendenfinanzierten Organisation sei, dass Menschen in Haft eine Resozialisierung - also die Rückkehr in die Mitte der Gesellschaft - ermöglicht werden müsse. "Die Weihnachtsaktion ist da ein wunderbarer Weg, um einem Menschen in Haft zu signalisieren: 'Du bist uns nicht egal!'", sagte Passarge. Allein die Tatsache, dass sie ein Geschenk erhielten, sei für viele schon außergewöhnlich.

Im Allgemeinen dürfen Inhaftierte keine Weihnachtspakete bekommen; der Kontrollaufwand wäre zu hoch. Darum bitten einige Justizvollzugsanstalten das Schwarze Kreuz als gemeinnützige Organisation um Unterstützung. "Mit einem solchen Geschenk rechnen viele in ihrer Situation einfach nicht. Das kann ihnen einen positiven Schub geben", erklärte die Koordinatorin.

Genau definierte Dinge wie Kaffee, Gebäck und Süßigkeiten dürften in die Pakete hinein. Was dieser Inhalt und insbesondere ein paar beigelegte persönliche Worte bei ihren Empfängern auslösten, lasse sich an von ihnen verfassten Dankesschreiben erahnen. "Im vergangenen Jahr hat sich beispielsweise jemand mit den Zeilen zurückgemeldet: 'Kein Kaffee war so kräftig, wie die Worte, die Sie mir geschrieben haben'", sagte Passarge. Ein anderer habe sich für die unerwartete Freude bedankt - von einem Ort, an dem viele "im Hadern mit sich selbst" seien.

Ein Häftling liest im Kirchenraum der Justizvollzugsanstalt Uelzen eine Karte, die ein Ehepaar aus Bayern einem Weihnachtspaket beigelegt hat.

Angesichts von Energiekrise und Ukrainekrieg hoffe sie, dass sich dennoch auch in diesem Jahr viele Menschen entschlössen, an der Aktion teilzunehmen, sagte die Helferin. "Bisher ist die Resonanz recht gut. Wir hoffen, dass es so weitergeht." Bis 7. Dezember können sich Freiwillige melden (siehe Infokasten).

Weihnachtsgeschenk für besonders Bedürftige

Einfluss darauf, wer das Weihnachtsgeschenk am Ende erhalte, haben die Spenderinnen und Spender übrigens nicht. "Es wird auch niemand wegen einer bestimmten Straftat kategorisch ausgeschlossen", betonte Passarge.
Generell achteten die JVAen darauf, dass insbesondere bedürftige Insassen bedacht würden, sagte Passarge. "Manche beispielsweise können aufgrund von Erkrankungen nicht arbeiten oder haben keinen Kontakt zu Angehörigen. Besonders solchen Menschen kann ein Paket über die schwierigen Feiertage hinweghelfen."

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Hinweis: Infokasten

Der Verein "Schwarzes Kreuz Christliche Straffälligenhilfe" hilft nach eigenen Angaben seit 1925 bundesweit Strafgefangenen und ihren Familien. Seit 1953 schickt der Verein Weihnachtspakete in die Haftanstalten. Im Jahr 2021 wurde mit 1.644 Paketen von insgesamt 1.009 Spendern ein neuer Rekord erzielt. Ziel der christliche Straffälligenhilfe ist es, Inhaftierte in eine bessere Zukunft ohne Straftaten zu begleiten und damit gleichzeitig neues Leid und neue Opfer zu verhindern.

Wer mitmachen will, kann sich bis zum 7. Dezember anmelden unter: https://naechstenliebe-befreit.de/engagement/paketaktion. Die Pakete dürfen beispielsweise Dinge wie Kaffee, Salami oder Süßigkeiten enthalten. Sie haben in der Regel einen Wert von etwa 30 Euro und werden von den Spenderinnen und Spendern direkt in die Justizvollzugsanstalten geschickt, die sie an Inhaftierte weitergeben.