Experte: Jobcenter brauchen mehr Personal für die Arbeitsvermittlung

Experte: Jobcenter brauchen mehr Personal für die Arbeitsvermittlung

Der Duisburger Arbeitsmarktexperte Matthias Knuth sieht die geplante Einführung des Bürgergeldes zum 1. Januar mit Skepsis. "Die Jobcenter sind weder quantitativ noch qualitativ passend aufgestellt, um die Ziele des Bürgergeldgesetzes zu verwirklichen", kritisierte der Seniorprofessor am Institut Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Dennoch sagte er: "Das Bürgergeld ist eine Chance."

Nach dem am Mittwochabend im Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat erzielten Kompromiss soll es schärfere Sanktionsmöglichkeiten gegen Leistungsbezieher und weniger Schonvermögen geben als ursprünglich von der Bundesregierung vorgesehen. Geblieben ist es bei dem Vorhaben, dass Langzeitarbeitslose von den Jobcentern intensiver betreut werden sollen, damit sie die vermittelten Jobs auch länger ausüben. Das Bürgergeld soll zum 1. Januar die Hartz-IV-Leistungen ablösen. Bundestag und Bundesrat müssen dem geänderten Gesetzentwurf noch zustimmen.

Viele Jobcenter sind laut Knuth bereits durch die aktuell von ihnen zusätzlich geforderte Betreuung der aus der Ukraine geflüchteten Menschen an der Grenze ihrer Belastbarkeit angekommen. "Zur Umsetzung des Bürgergeldgesetzes müsste das Personal in der Vermittlung verstärkt werden", sagte er.

Grund für die angespannte Lage in den Jobcentern seien auch Unzulänglichkeiten in den Verwaltungen: "Die Überlastung der Ausländerämter und das Fehlen einer digitalen Kommunikationsplattform zwischen Ausländerämtern und Jobcentern führen dazu, dass Verwaltungsvorgänge der Jobcenter für Zugewanderte mehrfach angefasst werden müssen", kritisierte der Experte.

Als weiteres Problem komme die gewaltige Steigerung der Energiepreise hinzu. Dadurch müssten Heizkosten mehrfach nachberechnet werden, erwartet Knuth. Für die Empfängerinnen und Empfänger von Bürgergeld ist seine Prognose pessimistischr: "Sie haben keine Liquidität, um Mehrkosten abzudecken, die durch die Preisbremsen erst nachträglich teilweise ausgeglichen werden. Wahrscheinlich werden die Jobcenter so überlastet sein, dass es zu Gas- und Stromsperren kommt."

Auch wenn Knuth im nächsten Jahr eine Überforderung auf die Jobcenter zukommen sieht, betrachtet er das Bürgergeld insgesamt als eine Chance. "Wenn es tatsächlich gelänge, in den Jobcentern einen anderen Geist einziehen zu lassen und ihr Image zu verbessern, könnte man auch leichter Personal finden und binden", sagte er.