Ostfriesland verliert Rekordtitel des schiefsten Turms

Wehrturm der mittelalterlichen Ortsbefestigung in Gau-Weinheim und Kirchturm von Suurhusen in Ostfriesland

© Von Erwin Gottschlich/ CC BY-SA 4 und epd-bild / Norbert Neetz

Noch schiefer als der Turm aus Ostfriesland: Der Wehrturm der mittelalterlichen Ortsbefestigung in Gau-Weinheim (links).

Schräge Kirchtürme der Superlative
Ostfriesland verliert Rekordtitel des schiefsten Turms
Der Kirchturm von Suurhusen in Ostfriesland gilt nicht mehr als schiefster Turm der Welt. Mit Übergabe einer offiziellen Urkunde des Rekord-Instituts für Deutschland (RID) gebührt diese Ehre seit Sonntag dem Schiefen Turm von Gau-Weinheim im Landkreis Alzey-Worms (Rheinland-Pfalz).

Mit den Jahrhunderten scheinen sich die alten Türme immer mehr zu verneigen. Pisa galt lange Zeit als schiefster Turm der Welt. Dann kam Ostfriesland mit seinem schrägen Suurhusener Turm.

Jetzt neigt sich ein Wehrturm aus Rheinland-Pfalz noch weiter zur Seite. Messungen hatten ergeben, dass die Neigung des viereckigen Turms 5,43 Grad beträgt. Damit übertrifft sie nicht nur die des Schiefen Turms von Pisa (3,97 Grad), sondern auch die des bisherigen Rekordhalters aus Niedersachsen (5,19 Grad).

Als Wehrturm der mittelalterlichen Ortsbefestigung ist der Schiefe Turm von Gau-Weinheim beliebtes Wahrzeichen der Weinbaugemeinde. Der ursprünglich dreistöckige Bau wurde im Laufe der Geschichte aufgestockt, mit einer barocken Turmhaube verziert und beherbergt heute die Gemeindeglocken.

Der mehr als 560 Jahre alte Suurhusener Kirchturm wurde 2007 erstmals in die damals neue Rekordkategorie "Der schiefste Turm" des Guinness-Buchs aufgenommen. Alljährlich besuchen bis zu 15.000 Gäste das kleine ostfriesische Dorf mit seinem markanten Turm. Bis 2007 galt der Schiefe Turm von Pisa als inoffizieller Weltmeister der schiefen Türme. Das Guinness-Buch der Rekorde erscheint in mehr als 100 Ländern. Das RID ist das deutschsprachige Pendant zum Guinness-Buch.

Ob nun Ostfriesland wieder nur als das Land der schiefen Bäume wahrgenommen wird? An windschiefen Kirchtürmen mangelt dort jedenfalls nicht, auch wenn die Turm-Fans jetzt nach Rheinland-Pfalz pilgern.

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