Fluten in Pakistan: Helfer warnen vor Gefahren für Frauen und Kinder

Fluten in Pakistan: Helfer warnen vor Gefahren für Frauen und Kinder
Die verheerenden Fluten in Pakistan haben Straßen, Schulen und Gesundheitseinrichtungen beschädigt oder zerstört. Frauen und Kinder seien von der Katastrophe besonders betroffen, berichten Hilfsorganisationen.

Hilfsorganisationen haben nach den verheerenden Fluten in Pakistan auf die Gefahren für Frauen und Kinder aufmerksam gemacht. Die in Bonn ansässige Organisation Care warnte am Donnerstag vor einer Zunahme der Gewalt gegen Frauen. Gefährdet seien auch 650.000 Schwangere, von denen im kommenden Monat bis zu 73.000 ihr Kind erwarteten.

Derweil sagte der Klimaexperte Michael Kühn, dass Extremwettereignisse wie der derzeit außergewöhnlich starke Monsun-Regen in Zukunft wegen der Erderwärmung häufiger und heftiger auftreten. Teile Pakistans drohten dann, unbewohnbar zu werden, sagte er dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Der Care-Landesdirektor für Pakistan, Adil Sheraz, sagte, die Fluten hätten "Häuser und Gesundheitszentren weggespült". Das Leben Hunderttausender schwangerer Frauen und ihrer Babys sei in Gefahr, "wenn sie keine angemessene Gesundheitsversorgung erhalten". Weil die üblichen sozialen Strukturen und Schutzmechanismen weggefallen seien, sei die Situation vor allem für Frauen und Mädchen gefährlich. "Wir wissen aus Erfahrung, dass Gewalt gegen Frauen nach Katastrophen zunimmt", sagte er.

Pakistan mit seinen mehr als 220 Millionen Einwohnern wird in diesem Jahr von ungewöhnlich starken Regenfällen während des Monsuns heimgesucht. Mehr als 1.000 Menschen kamen ums Leben, Hunderttausende Frauen, Männer und Kinder wurden vertrieben. Häuser, Straßen und Brücken wurden zerstört. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind auch knapp 900 Gesundheitseinrichtungen in dem südasiatischen Land beschädigt.

Die Organisation "Save the Children" warnte vor den langfristigen Folgen der Überschwemmungen für Kinder und Heranwachsende. Mindestens 18.590 Schulen seien beschädigt oder zerstört worden, teilte das Kinderhilfswerk mit. Das Ausmaß der Schäden werde Tausende von Kindern daran hindern, zur Schule zu gehen, sagte Landesdirektor Khuram Gondal. Viele Heranwachsende hätten wegen der Corona-Pandemie bereits Monate des Unterrichts verpasst.

Auch der Klimaexperte Kühn zeichnete ein verheerendes Bild. Die Zahl der Toten werde wahrscheinlich steigen, wenn das Wasser abfließt, sagte der Referent für Klimapolitik bei der Welthungerhilfe dem epd. "Höfe, Ernten und Nutztiere wurden weggespült." Kurzfristig müsse den Menschen mit der Verteilung von Nahrung und sauberem Wasser geholfen werden. Zugleich sei bereits jetzt der Wiederaufbau zu planen.

Zugleich wies er auf Grenzen bei der Anpassung hin, sollten Extremwettereignisse weiter zunehmen. Mit der fortschreitenden Erderwärmung drohten Teile Pakistans unbewohnbar zu werden, sagte Kühn. Wenn der Boden den heftigen Monsun-Regen nicht mehr aufnehmen kann oder Flüsse infolge von Gletscherschmelzen überlaufen, "dann haben wir genau diese Situation". Der Klimawandel trage einen großen Teil zu der Katastrophe bei. Die Erwärmung des Indischen Ozeans sei einer der "treibenden Faktoren" des starken Monsun-Regens.