Wahlkampfstart in Brasilien

Wahlkampfstart in Brasilien

In Brasilien hat der Wahlkampf begonnen: In dem politisch tief gespaltenen Land treffen der rechtsextreme Amtsinhaber Jair Bolsonaro und der linksgerichtete Ex-Präsident Luiz Inácio Lula da Silva aufeinander. Der Wahlkampf wird von Sicherheitsbedenken überschattet, nachdem ein Funktionär von Lulas Arbeiterpartei PT im Juni von einem Bolsonaro-Anhänger erschossen wurde. Mehr als 156 Millionen Brasilianer sind am 2. Oktober aufgerufen, ein neues Staatsoberhaupt zu wählen.

Nach einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Datafolha führt Lula mit 18 Prozentpunkten vor Bolsonaro. Die meisten Analysten gehen aber davon aus, dass sein Vorsprung mit dem Näherrücken der Wahl kleiner werden wird. Lulas Arbeiterpartei PT hofft auf einen Wahlsieg in der ersten Runde, in der der Linkspolitiker auf mehr als 50 Prozent der Stimmen kommen müsste.

Zur Wahlkampferöffnung am Dienstag (Ortszeit) wollte Lula eigentlich in eine Fabrik in São Paulo kommen. Aus Sicherheitsbedenken wurde die Veranstaltung abgesagt, wie das Nachrichtenportal G1 berichtete. Er trat stattdessen im Volkswagen-Werk in São Bernardo de Campo auf, seiner alten Wirkungsstätte als Arbeiter und Gewerkschaftsführer. Dort kritisierte er Präsident Bolsonaro scharf für eine verfehlte Corona-Politik und machte ihn mitverantwortlich für die rund 680.000 Corona-Toten in Brasilien. Er warf Bolsonaro Lügen vor und die Leugnung von wissenschaftlichen Erkenntnissen. "Wenn es jemanden gibt, der vom Teufel besessen ist, dann ist es dieser Bolsonaro", rief Lula aus. Vor den VW-Arbeitern sagte Lula: "Hier habe ich gelernt, ein Mensch zu sein und ein politisches Bewusstsein entwickelt."

Präsident Bolsonaro kehrte zu seinem ersten offiziellen Wahlkampfauftakt an den Ort zurück, wo er 2018 einen schweren Messerangriff nur knapp überlebte. In der Stadt Juiz de Fora hatte ihn ein Attentäter am 6. September 2018 schwer verletzt. Unter den gesundheitlichen Folgen des Angriffs leidet Bolsonaro noch heute.

Die Zustimmung für Bolsonaro war im Laufe der Corona-Pandemie immer weiter gesunken. Auch der versprochene Aufschwung der Wirtschaft blieb aus. Stattdessen manövrierte Bolsonaro die größte Volkswirtschaft Lateinamerikas außenpolitisch ins Abseits.