UN-Kommission wirft libyscher Miliz schwere Verbrechen vor

UN-Kommission wirft libyscher Miliz schwere Verbrechen vor

Die UN-Untersuchungskommission für Libyen hat der al-Kaniyat Miliz Verbrechen gegen die Menschlichkeit in der Stadt Tarhuna zur Last gelegt. Von 2015 bis 2020 seien die Bewohner Tarhunas einer Terrorkampagne der al-Kaniyat-Miliz ausgesetzt gewesen, teilte die Kommission am Montag in Genf mit.

Die Milizionäre seien für Morde, Inhaftierungen, Folter, Verfolgung aus politischen Gründen, gewaltsames Verschwindenlassen und andere unmenschliche Handlungen verantwortlich. Zu den Opfern hätten auch Flüchtlinge und Migranten gehört. Die Kommission habe drei mögliche Massengräber entdeckt. Die Täter müssten zur Rechenschaft gezogen werden, forderten die Ermittler.

Die Miliz stand auf der Seite des Rebellengenerals Chalifa Haftar, der gegen die damalige Regierung kämpfte. Im Oktober 2020 einigten sich die Rivalen unter UN-Vermittlung auf einen Waffenstillstand. Eine Übergangsregierung wurde eingesetzt.

Tarhuna ist laut den UN eine Stadt, die etwa 90 km südöstlich der libyschen Hauptstadt Tripolis liegt und ein Tor zum Zentrum des Landes und zum Osten bilde. Die Einwohnerzahl der Stadt werde auf 70.000 geschätzt, die Region habe rund 250.000 Einwohner.

Nach dem Sturz des Diktators Muammar al-Gaddafi 2011 hatten Milizen die Macht in dem rohstoffreichen Wüstenland übernommen und es ins Chaos gestürzt. Die UN-Untersuchungskommission für Libyen arbeitet im Auftrag des UN-Menschenrechtsrates.