Lauterbach appelliert an Pflegeheime: Besucher wieder testen

Lauterbach appelliert an Pflegeheime: Besucher wieder testen

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat angesichts der Corona-Sommerwelle an die Pflegeeinrichtungen appelliert, wieder Tests und eine Maskenpflicht für Besucher einzuführen. Nach einem Treffen mit Einrichtungsträgern am Mittwoch in Berlin warnte der Gesundheitsminister, ohne Tests und FFP2-Masken seien "erhebliche Ausbrüche" von Corona-Infektionen in Pflegeheimen zu erwarten.

Gegenwärtig sind Masken und Tests nicht mehr vorgeschrieben. Lauterbach hatte vor knapp zwei Wochen für den Herbst und Winter strengere Vorschriften für Pflegeheime angekündigt, die seinen Angaben zufolge gegenwärtig vorbereitet werden. Bis dahin kann der Minister nur an die Einrichtungen appellieren, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen. Er forderte sie auch auf, die vierte Impfung zu forcieren. Sie vermindere bei einer Corona-Infektion das Sterberisiko um 75 Prozent, sagte er. Bisher hätten aber nur 30 Prozent der Pflegebedürftigen in Heimen diesen zweiten Booster erhalten. Den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (Stiko) zufolge sollen sich alle über 70-Jährigen und insbesondere Pflegeheimbewohnerinnen und -bewohner erneut boostern lassen.

Diakonie-Sozialvorstand Maria Loheide versicherte, es sei das erste Anliegen der Einrichtungen, die Menschen zu schützen. Die Träger bräuchten aber Unterstützung, wenn zusätzliche Schutz- und Impfauflagen vorgeschrieben würden. Loheide erinnerte daran, was das Personal in den Einrichtungen bisher leiste und sagte, für zusätzliche Aufgaben brauche man zusätzliches Personal. Es seien diesbezüglich noch Fragen offen geblieben, sagte Loheide.

Corona-Tests bleiben für Pflegeheimbesucher weiterhin kostenlos, während für die Bürgertests ab Juli drei Euro Eigenbeteiligung fällig werden. Auch pflegende Angehörige können sich weiter kostenlos testen lassen. In Deutschland leben nach Angaben des Statistischen Bundesamts mehr als vier Millionen pflegebedürftige Menschen, von denen 80 Prozent zu Hause betreut werden, 56 Prozent allein durch Angehörige. Die übrigen Haushalte werden von ambulanten Pflegediensten unterstützt. Jeder fünfte Pflegebedürftige wird in einer Einrichtung versorgt.