Brasilien: VW äußert sich vorerst nicht zu Menschenrechtsverletzungen

Brasilien: VW äußert sich vorerst nicht zu Menschenrechtsverletzungen

Berlin, São Paulo (epd). Bei der ersten Anhörung zu Vorwürfen der Sklavenarbeit in Brasilien hat sich der Volkswagen-Konzern nicht inhaltlich geäußert. Die Staatsanwaltschaft habe weitere Dokumente über die Farm in Brasilien angefordert, sagte Staatsanwalt Rafael García Rodrigues in Brasília, wie die Tageszeitung „Folha de São Paulo“ am Mittwoch (Ortszeit) berichtet. Volkswagen habe sich bei der Anhörung am Dienstag verpflichtet, eine Stellungnahme zu schicken und an einer neuen Anhörung am 29. September teilzunehmen.

Die Staatsanwaltschaft will vor dem Arbeitsgericht in Brasília eine Entschädigung für die Opfer auf der „Volkswagen-Farm“ aushandeln, auf der es laut Recherchen zu gravierenden Menschenrechtsverletzungen kam. Ansonsten muss der Autobauer mit einem Strafverfahren rechnen.

Die Ermittlungen begannen im Jahr 2019, nachdem der Priester Ricardo Rezende Figueira der Staatsanwaltschaft zahlreiche Unterlagen über Misshandlungen von Arbeitern und weitere Menschenrechtsverletzungen auf der Farm Rio Cristalino am Rande des Amazonas-Regenwaldes vorgelegt hatte. Die Rinderfarm war eine der größten in Brasilien und gehörte von 1974 bis 1986 dem Volkswagen-Konzern. Gegründet wurde die Farm mit Unterstützung der Militärdiktatur (1964 bis 1985), die im Amazonas-Gebiet expansive Landwirtschaft förderte. Bis zu 86.000 Rinder sollten auf der Farm gezüchtet werden. Rund 300 Arbeiter waren angestellt. Hinzu kamen zahlreiche Tagelöhner und Leiharbeiter, die meist für Abholzungsarbeiten eingesetzt wurden.

In den von Rezende übergebenen Dokumenten gibt es Fotos und zahlreiche weitere Unterlagen, die belegen, dass die Menschen in Schuldknechtschaft gehalten und gezwungen wurden, ihren ganzen Lohn für überteuerte Lebensmittel auf der Farm auszugeben. Einige Menschen starben, weil es keine medizinische Versorgung gab. Die Arbeiter durften die Farm auch nicht verlassen. Bewaffnete Wächter schützten das Areal. Es gab Schläge und weitere Freiheitsberaubungen.