Entsetzen über tote Rohingya-Bootsflüchtlinge in Myanmar

Entsetzen über tote Rohingya-Bootsflüchtlinge in Myanmar

Nach dem Tod zahlreicher Rohingya-Bootsflüchtlinge vor der Küste Myanmars zeigen sich Flüchtlingsorganisationen schockiert und entsetzt. Lokale Helfer aus dem westlichen Bundesstaat Rakhine, wo die muslimische Minderheit beheimatet ist, sprachen von mindestens 23 Ertrunkenen, wie Radio Free Asia am Dienstag berichtete. Darunter seien auch Kinder. Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR, das die Zahl der Toten mit 17 angab, reagierte ebenfalls bestürzt: "Die jüngste Tragödie zeigt einmal mehr die Verzweiflung der Rohingya in Myanmar und der Region", sagte der UNHCR-Direktor für Asien-Pazifik, Indrika Ratwatte. Den Angaben zufolge hatte das Boot mit schätzungsweise 90 Menschen den Rakhine-Staat am 19. Mai verlassen und war infolge schlechten Wetters wenige Tage später gesunken.

Laut UNHCR sind innerhalb des vergangenen Jahrzehnts mehrere Tausend Rohingya über den Seeweg aus dem Westen Myanmars in die Nachbarstaaten geflohen. Das Jahr 2020 sei das bislang tödlichste gewesen: Von den knapp 2.500 Bootsflüchtlingen seien 218 ums Leben gekommen oder würden vermisst. Allein zwischen Januar und Mai dieses Jahres hätten 630 Rohingya versucht, die Bucht von Bengalen zu durchqueren. "Die eigentlichen Ursachen dieser todbringenden Flucht müssen angegangen werden", forderte Ratwatte. Auch müssten die Länder der Region kooperieren, um die Rettung aller Menschen in Seenot sicherzustellen.

Die muslimische Volksgruppe ist im mehrheitlich buddhistischen Myanmar nicht als ethnische Minderheit anerkannt. Stattdessen werden die Rohingya systematisch verfolgt und diskriminiert. Seit 2012 kommt es im Rakhine-Staat immer wieder zu Pogromen. Zuletzt gab es Ende August 2017 eine Militäroffensive, in deren Zuge mehr als 800.000 Rohingya nach Bangladesch flohen. Dort leben sie bis heute unter erbärmlichen Bedingungen in Camps. Ermittler der Vereinten Nationen sowie Menschenrechtsorganisationen werfen Myanmar seit langem Völkermord an den Rohingya vor. Im März erklärte auch die US-Regierung, dass sie die Verbrechen als Genozid einstufe.