Pflegebevollmächtigte Moll und Diakonie-Chef werben für Impfpflicht

Pflegebevollmächtigte Moll und Diakonie-Chef werben für Impfpflicht
An den Schutz der anderen zu denken ist für die Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Claudia Moll, das wichtigste Argument für eine Corona-Impfung. Einer Impfpflicht stand sie dennoch kritisch gegenüber - jetzt will sie dafür werben.

Einen Tag vor der Orientierungsdebatte im Bundestag über die Einführung einer Corona-Impfpflicht hat sich die Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Claudia Moll (SPD), für eine allgemeine Impfpflicht ausgesprochen. Sie sei lange Zeit einer solchen Pflicht gegenüber sehr skeptisch gewesen, sagte Moll dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Dienstag in Berlin. Aber angesichts der aktuell hohen und weiter steigenden Infektionszahlen sehe sie in einer Impfpflicht einen Weg, aus der Pandemie herauszukommen. Der Präsident der Diakonie Deutschland, Ulrich Lilie, unterstützt eine Impfpflicht für alle Erwachsenen ab 18 Jahren.

Moll sagte, sie werde sich im Bundestag den Befürwortern anschließen "und für die Impfpflicht werben". Es komme jetzt darauf an, dass alle Menschen Verantwortung übernehmen für Schwächere, erklärte die 53-Jährige, die selbst 30 Jahre in der Altenpflege und Betreuung alter Menschen mit einer Behinderung gearbeitet hat: "Bei den hohen Infektionszahlen sollten wir nicht an uns selbst denken, sondern an die Menschen, die krank sind, die schwer gefährdet oder alt sind und an die, die sich nicht impfen lassen können." Dies entspreche auch ihrer persönlichen Entscheidung für die Impfung: "Ich würde es mir niemals verzeihen, wenn durch meine Schuld jemand Long-Covid bekäme oder gar sterben würde", sagte Moll.

Moll gehört dem Parlament seit 2017 an und ist am 12. Januar auf Vorschlag von Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) vom Bundeskabinett zur neuen Pflegebevollmächtigten ernannt worden. Wie ihr Vorgänger Andreas Westerfellhaus kommt sie aus Nordrhein-Westfalen.

Der Bundestag beschäftigt sich an diesem Mittwoch in einer dreistündigen Orientierungsdebatte mit der Einführung einer allgemeinen Impfpflicht. Befürworter sehen sie als Weg aus der Pandemie hin zu einem beherrschbaren Infektionsgeschehen. Gegner sehen in einer Impfpflicht einen zu tiefen Eingriff in die Persönlichkeitsrechte. Entschieden werden soll voraussichtlich im März über Anträge von verschiedenen Abgeordneten-Gruppen. Die Abstimmung soll freigegeben werden, also nicht unter Fraktionszwang erfolgen. Offen ist noch, welche Varianten einer Impfpflicht vorgeschlagen werden.

Der Präsident der Diakonie Deutschland, Ulrich Lilie, machte sich erneut stark für eine Impfpflicht ab 18 Jahren. Sie stelle für etliche Menschen zwar einen "harten Einschnitt" dar, erklärte er. Die individuelle Freiheit ende aber dort, wo andere Menschen existenziell bedroht seien. Aus der Alltagspraxis vieler diakonischer Einrichtungen wisse man in dem evangelischen Verband um psychische und physische Folgen der Pandemie und ihrer Gefahren für Kinder, Ältere und Menschen mit einer Behinderung. Diese Gruppen müssten von der Allgemeinheit geschützt werden.

Zudem sorge die durchgängige Impfung für leichtere Krankheitsverläufe, weniger Ansteckungen und mehr Kapazitäten für medizinische Eingriffe, auf die derzeit sehr viele Menschen dringend warteten, erklärte Lilie. Die Diakonie werbe dafür, sich impfen zu lassen. In den eigenen Einrichtungen setze man weiter auf das Gespräch mit Mitarbeitenden und Überzeugung durch Fakten, sagte Lilie auch mit Blick auf die ab Mitte März geltende einrichtungsbezogene Corona-Impfpflicht.