UN-Expertinnen werfen Taliban brutale Unterdrückung der Frauen vor

UN-Expertinnen werfen Taliban brutale Unterdrückung der Frauen vor

Frauen werden in Afghanistan laut den UN systematisch und massiv unterdrückt. Die Taliban versuchten, Frauen nach und nach immer mehr aus dem öffentlichen Leben zu verbannen, erklärten Menschenrechtsexpertinnen und -experten der Vereinten Nationen am Montag in Genf. "Wir sind alarmiert über die andauernden und systematischen Bemühungen, Frauen landesweit aus dem sozialen, wirtschaftlichen und politischen Leben auszuschließen", hieß es in einer Stellungnahme von 36 Fachleuten des UN-Menschenrechtsrates. Damit würden Frauen und Mädchen ausschließlich auf Grund ihres Geschlechts bestraft.

Seit der Machtübernahme der radikalislamischen Taliban im August seien Frauen und Mädchen einem erhöhten Risiko für sexuelle Ausbeutung, Zwangsheirat, Menschenhandel und Zwangsarbeit ausgesetzt, erklärten die Fachleute, darunter die Sonderberichterstatterin für Gewalt gegen Frauen, Reem Alsalem, der Zuständige für Menschenhandel, Pedro Arrojo Agudo, die Berichterstatterin für Sklaverei, Irene Khan, und die Expertin für das Recht auf Bildung, E. Tendayi Achiume.

Frauen dürften nur noch in Begleitung eines männlichen Verwandten öffentliche Räume betreten, sie dürften nicht mehr alleine öffentliche Verkehrsmittel benutzen und sie seien einer strikten Kleiderordnung unterworfen, hieß es. Angehörige ethnischer, religiöser oder sprachlicher Minderheiten litten besonders und der Drangsalierung. Das Recht auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit der Frauen werde ebenso massiv eingeschränkt wie das auf Bildung und Arbeit. Frauen, die alleine für das Familieneinkommen sorgen müssten, seien davon besonders hart getroffen.

"Wir sind zudem besonders besorgt über die brutale Weise, in der die De-facto-Behörden auf Frauen und Mädchen reagiert haben, die ihre Rechte einfordern." Es gebe Berichte über Prügel, Misshandlungen, Drohungen und willkürlichen Festnahmen.

Immer wieder protestieren Frauen seit der Machtübernahme der Taliban in verschiedenen Städten gegen die Einschränkungen. Auch am Sonntag waren Dutzende Frauen in der Hauptstadt Kabul zu Protesten auf die Straße gegangen. Laut dem afghanischen TV-Sender Tolo wollten sie auf die Ermordung von zwei jungen Frauen von der ethnischen Minderheit der Hazara und dem Verschwinden der Direktorin des Frauengefängnisses von Herat, Alia Azizi, aufmerksam machen. Auch kritisierten sie die Festnahme von Frauen bei Protesten in der nördlichen Provinz Balkh und forderten ihre Freilassung. Laut der afghanischen Journalistin Nilofar Moradi setzten die Taliban Tränengas und Pfefferspray gegen die Demonstrantinnen ein und lösten die Kundgebung auf.